Lexikon der Filmbegriffe

Drehbuch

engl.: screenplay, script, im Fernsehen: teleplay

Die ersten Drehbücher sind sogenannte scenarios, die den Inhalt des Films in Prosaform festlegen. Mit dem Produzenten Thomas Ince bekam das Drehbuch Mitte der 1910er Jahre eine neue Bedeutung. Vor Drehbeginn wurde das Drehbuch auf etwaige Stellen, an denen das Publikum das Interesse verlieren könnte, abgeklopft. Kameraanweisungen wurden eingetragen. Der Film wurde dann nach dem zur Blaupause gewordenen Drehbuch – nunmehr continuity script genannt – gedreht und geschnitten. Spätestens mit dem Tonfilm wurden Drehbücher als sogenannte „Masterscene-Drehbücher“ geschrieben. Die technischen Anweisungen fanden sich nur mehr dort, wo sie dramaturgisch von Bedeutung sind. Auch die verschiedenen Arbeitsstufen des Drehbuchs entstanden: In der Chronologie der Produktion finden sich seitdem mehrere Stadien des Drehbuchs, vom Exposé, einer kurzen Inhaltsangabe, über das Treatment, einer detaillierten, aber noch immer in Prosaform verfassten Inhaltsangabe bis hin zum ersten Entwurf (first draft). Nach der endgültigen Version (final draft) wird schließlich das shooting script angefertigt, welches die einzelnen Szenen nummeriert und dadurch die Erstellung eines Drehplans ermöglicht.
In Europa und den USA unterschieden sich die Formen des Drehbuchs. In Europa wurde lange Zeit in zwei Spalten geschrieben. Auf der einen Seite fand sich alles Hörbare, auf der anderen alles Sichtbare. Diese Form wird in Europa heute fast nur noch im Dokumentarfilm verwendet, und auch hier ist sie nicht die Regel. In den USA findet sich diese Form zwar auch, jedoch so gut wie ausschließlich als Unterlage für den Schnitt. In der Regel wurden und werden amerikanische Drehbücher in einer streng genormten Form verfasst. Die allgemein bekannte Regel, nach der eine Seite Drehbuch einer Minute Film entspräche, gilt für Hollywood-Filme der Studiozeit nicht. Hier finden sich Drehbücher, deren Seitenanzahl deutlich höher als die Länge des darauf entstandenen Films in Minuten ist.
Das Drehbuch ist in seiner US-amerikanischen Version die knappste und effizienteste Form, eine Geschichte zu erzählen. Die Informationen sind auf das Wesentliche beschränkt und vereinheitlicht. Alles was nicht sicht- oder hörbar ist, also etwa innere Zustände, sollten sich in einem Drehbuch nicht finden. Aber alles Sicht- und Hörbare des Films gilt es zu beschreiben. Dazu gehören alle Figuren, aber auch Requisiten, Ausstattungen, Wettersituationen usw., die für eine Szene von Bedeutung sind, sowie alle hörbaren Geräusche und Stimmen, wobei kenntlich gemacht sein muss, ob diese Teil des Bildes sind oder nicht.
Neben dieser streng genormten Version des Drehbuchs verwenden in Europa einzelne Regisseure wie etwa Mike Leigh oder Michael Winterbottom auch schriftliche Unterlagen, welche nur rudimentäre Handlungsabläufe festhalten und Raum zur Improvisation bieten. Die Festlegung, was genau zu drehen ist, passiert in diesem Ausnahmefall in ausführlichen Proben.

Literatur: Stempel, Tom: Framework. A History of Screenwriting in the American Film. New York: Continuum 1988. – Fine, Richard: West of Eden. Writers in Hollywood, 1928-1940. Washington: Smithsonian Institution Press 1993. – McGilligan, Pat (Hg.): Backstory. Interviews With Screenwriters of Hollywood's Golden Age. Berkeley: University of California Press 1986.
 

Referenzen:

breakdown

change pages

Continuity Script

cutting continuity

Drehbuch: Blockbuster-Methode

Drehbuch: Frühzeit

Drehbuch: Pragmatik

Drehbuch: Sequenzmethode

Drehbuch: Vorstufen

Drehbuchautor

Drehbuchforum Wien

Drehbuch-Konferenz

Drehfassung

Exposee

line

lined script

Kinematurgie

Kopfzeile

Master-Scene-Script

Passionsspiel: Drehbuchgeschichte

photoplay

Originaldrehbuch

production breakdown

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