Lexikon der Filmbegriffe

Künstlerfilm

Im weiteren Sinn Sammelbezeichnung für ein biopic aus dem Sub-Genre kunstschaffender Persönlichkeiten; im engeren Sinn der Begriff für ein biopic aus dem Bereich der Bildenden Kunst (Bildhauerei, Graphik, Malerei), das die Traditionen der Vite von Georgio Vasari sowie der romantischen Künstlernovelle gleichsam filmisch weiterschreibt. Der Künstlerfilm folgt meist den Regeln des biopic, als er gleichermaßen eine historische (deviante und sterbliche) und eine symbolische (geniale und unsterbliche) Figur inszeniert. Die Geschichte des Künstlerfilms fungiert als cineastisches musée imaginaire, denn er reproduziert den ästhetischen Kanon bzw. trägt zu seiner (Re-)Konstitution in historisch variablen ideologischen Überformungen überhaupt erst bei (vgl. z.B. Rembrandt von Alexander Korda, Großbritannien 1936; Rembrandt von Hans Steinhoff, Deutschland 1942). Als zentraler plot fungiert häufig die konfliktuöse, in Konkurrenz zum Werk stehende Beziehung des Protagonisten zur obligatorischen Figur der Muse und des Modells, so dass sich die Erzählungen zugleich am Pymalion-Mythos orientieren. In neuerer Zeit wurden auch Lebensläufe von Künstlerinnen entdeckt, um ihren Status als Muse z.B. von Caravaggio oder Rodin in Bezug auf ihre künstlerische Autonomie in Frage zu stellen und ihren Ausschluss aus dem Kanon zu revidieren (Artemisia, 1997; Camille Claudel, 1988). Seine Spannung zieht das Genre aus der medialen Differenz zwischen dem singulären, handgefertigten, stummen und statischen Objekt der bildenden Kunst und dem prozessualen, technischen, massenmedialen Ereignischarakter des Films. Für die narratologische Analyse kommt der filmisch gerahmten Inszenierung des Bildes als „Entgrenzung“ (Bazin) oder als ikonische Konzentration innerhalb des diegetischen und fiktionalen Raum-Zeit-Kontinuums besondere Bedeutung zu (Paech). Eine kritische Diskussion der Traditionen und Erzählmodelle unternimmt Andrej Tarkowskij mit seinem Film über den mittelalterlichen Ikonenmaler Andrej Rubljow (1971).

Literatur: Felix, Jürgen (Hrsg.): Genie und Leidenschaft. Künstlerleben im Film. St. Augustin: Gardez!-Vlg. 2000. – Korte, Helmut / Zahlten, Johannes: Kunst und Künstler im Film. Hameln: Niemeyer 1990. – Walker, John A.: Art and Artists on Screen. Manchester/New York: Manchester University Press 1993.

Referenzen:

Dichterfilm

Musikerfilm


Artikel zuletzt geändert am 13.10.2012


Verfasser: SN


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