Lexikon der Filmbegriffe

Quota quickies

dt. manchmal: Quota-Film

Schon 1920 waren von den 310 Filmen, die von amerikanischen Verleihfirmen in Großbritannien gezeigt wurden, lediglich 15 britische Produktionen. Im Laufe der 1920er Jahre wurde deutlich, dass die britische Filmindustrie der zunehmenden Dominanz US-amerikanischer Produkte nicht gewachsen war. Zur Rettung der einheimischen Industrie, aber auch aus Furcht vor kultureller Überfremdung, erließ die britische Regierung 1927 ein Gesetz (Cinematographic Films Act), das durch Einführung einer Zwangsquote britischen Filmen bessere Chancen auf dem britischen Markt ermöglichen sollte. Diese Quotierung wurde ab 1929 wirksam. Sie begann bei 7,5% und sollte sich bis 1936 Jahr für Jahr um 2,5% steigern. Ökonomisch gesehen wurde die gesetzlich erzwungene Förderung britischer Filme durchaus ein Erfolg, denn innerhalb des Jahrzehnts 1926-1937 stieg die Produktion von 34 auf 228 Filme. Mitte der 1930er Jahre hatten britische Filme mit einem Anteil von 26% die Quotenforderung schon weit übertroffen. Ein weiteres positives Ergebnis war die rapide Zunahme britischer Produktionsfirmen und die Neueröffnung zahlreicher Kinos.


Da der Begriff „britisch“ bei den Produktionen nicht klar genug definiert war, nutzten US-amerikanische Firmen die Gelegenheit, eine große Menge von Filmen herstellen zu lassen, deren Zweck allein in der Erfüllung der Quotengesetze bestand, also möglichst billig und möglichst schnell produziert wurden und daher bald mit dem negativ besetzten Etikett „quota quickies“ versehen wurden. Der medienpolitische und ökonomische Erfolg gelang so nur um den Preis der Qualität britischer Filme: filmästhetisch galten „quota quickies“ lange als minderwertige Ramschware, reduziert auf Schemata des Detektiv- und Komödiengenres.


Mit Ende der 1990er Jahre zeichnete sich eine Neubewertung der „quota quickies“ ab, bedingt u.a. durch die Besinnung auf später renommierte Regisseure (wie Michael Powell), die an ihnen mitgewirkt hatten, aber auch mit der Neuorientierung auf die Funktion dieser Filme für das damalige Publikum. So wird die Popularität dieser Filme damit erklärt, dass sie gegenüber den Hollywood-Produktionen Aspekte britischer Identität wie etwa Traditionen der Music Hall in den Vordergrund stellten. Insofern markieren sie einen Gegenpol zu Versuchen, den britischen Film als konkurrenzfähiges Produkt auf dem internationalen Markt zu etablieren, was z.B. Balcon und Korda anstrebten.

Literatur: Helbig, Jörg: Geschichte des britischen Films. Stuttgart: Metzler 1999. – Napper, Lawrence: A Despicable Tradition? Quota Quickies in the 1930s. In: The British Cinema Book. Ed. By Robert Murphy. London: BFI 1997, S. 37-48.
 

Referenzen:

Cinematograph Films Act 1927


Artikel zuletzt geändert am 16.07.2011


Verfasser: SG


Zurück