Lexikon der Filmbegriffe

Guerillakino

engl.: guerilla film-making

Eher polemische Bezeichnung für die Produktion unabhängiger politischer Filme. Der Terminus verweist auf die Programmatiken des Dritten Kinos, des antikolonialistischen Kinos, des Kinos der internationalen Widerstandsbewegungen und Konzepte wie das der ‚Stadtguerilla‘. Er bezieht sich deutlich auf die Widersprüche zwischen Selbstverständnis, Marktkonditionen des Films und propagandistischen Interessen, denen politische Filmemacher seit den 1960er Jahren ausgesetzt waren, die meist der außerparlamentarischen Opposition zugehörten. Arbeit ohne Gagen, meist von jungen Leuten, die noch Film-unerfahren waren, experimentelle Formen und/oder subversive Inhalte, Filme, die ihren Ort eher im politischen Diskurs denn im ästhetischen Feld des Films suchten – die Produktionen des Guerillakinos gehörten einer politischen Gegenöffentlichkeit zu, für die sie eigene ästhetische Ausdrucksformen und Darstellungs- und Argumentationsformate zu entwickeln suchten. Darum auch ist Godards Weekend (1969) oft dem Guerillakino zugeschlagen worden. Als Klassiker des Guerillakinos zählen die frühen Filme Harun Farockis.
Der Begriff ist heute neutralisiert und bezeichnet alle Arten des Low-Budget-Kinos. Selbst Robert Rodriguez‘ Film El Mariachi (1992) wird als Produkt des Guerillakinos verkauft. 

Literatur: Baumgärtel, Tilman: Vom Guerillakino zum Essayfilm: Harun Farocki. Werkmonographie eines Autorenfilmers. Berlin : b_books 1998.
 

Referenzen:

Anderes Kino

Bewegungsfilm

cinétracts

Drittes Kino


Artikel zuletzt geändert am 24.08.2014


Verfasser: HJW


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