Lexikon der Filmbegriffe

Ikonoklasmus

von griech.: eikon = Bild; klastein =zerbrechen

Die Zerstörung, Entweihung und Entfernung von Bildwerken und Symbolen wird als Ikonoklasmus bezeichnet. Die Bilderstürmer werden Ikonoklasten, die Bilderverehrer Ikonodulen oder Ikonophile genannt. Der Bilderstreit entfachte sich im Byzanz des 8. und 9. Jahrhunderts um die Frage, ob bildhafte Darstellungen von Jesus, Maria und den Heiligen verehrt werden dürften oder nicht. Nach einem kaiserlichen Edikt von 726 wurden zahlreiche Ikonen in Kirchen und Klöstern zerstört, Besitzer von Bildern verfolgt und ermordet. Die Bilderverfolgung ging erst 843 zu Ende. Im westeuropäischen Karolingerreich war die Verehrung von Bildnissen verboten, nicht aber der Besitz von Bildern selbst. Zu einem Bildersturm kam es darum nicht. Eine Neuauflage des frühmittelalterlichen Ikonoklasmus gab es während der Reformation: Einige Reformatoren forderten ihre Anhänger auf, katholische Kunstwerke als Götzenbilder zu zerstören. Luther hatte Bilder nicht generell verboten, polemisierte aber heftig gegen die Anbetung von Götzen-Bildern und gegen den Glauben an „wunderkräftige“ Bilder. Zwingli und Calvin plädierten für ein totales Bilderverbot in Kirchen. Sie wollten die Kirchengebäude als Orte reformierter Reinheit, Verinnerlichung und Anbetung umgestalten. Im Islam besteht das Verbot figürlicher Darstellungen vor allem in den Moscheen. Gelegentlich kam es zu bildersturmartigen Übergriffen gegen Bildnisse anderer Religionen (wie noch jüngst gegen die Buddha-Statuen im afghanischen Bamian, 2001).
Die Ersetzung der Bilder und Statuen eines abgesetzten Regimes ist Teil der symbolischen Ablösung und Element der Auseinandersetzungen um die symbolische Macht. Sie findet sich bis in die Gegenwart und manifestierte sich z.B. in der Zerstörung der Marx-, Engels-, Lenin- etc. -bildnisse in der ehemaligen DDR; in Goodbye Lenin (2003) ist die Demontage eines Lenin-Denkmals gar zum Symbol für die Auflösung der DDR geworden. Ähnlichen Rang hat die Demontage der Nazi-Plastik in der Repräsentation des Endes des Dritten Reichs.
Einen fundamentalen Bildersturm hat der Film nicht erdulden müssen. Elemente der Bild- und im weiteren Sinne Medienkontrolle sind aber vor allem in totalitären Regimes mit manchmal größter Härte durchgeführt worden. Gelegentlich ist auch behauptet worden, dass sich heute die Medien - insbesondere Film und Fernsehen - in einem bilderstürmerischen Verdrängungswettbewerb befänden; diese medienhistorische Analogie zum historischen Bildersturm scheint aber überzogen, da sie auf keiner fundamentalen ideologischen oder theologischen Bildkritik aufruht.

Literatur: Bredekamp, Horst: Kunst als Medium sozialer Konflikte. Bilderkämpfe von der Spätantike bis zur Hussitenrevolution. Frankfurt: Suhrkamp 1975. – Gamboni, Dario: Zerstörte Kunst: Bildersturm und Vandalismus im 20. Jahrhundert. Köln: DuMont 1998. – Warnke, Martin (Hrsg.): Bildersturm. Die Zerstörung des Kunstwerkes. München: Hanser 1973.


Artikel zuletzt geändert am 15.07.2011


Verfasser: HJW


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