Lexikon der Filmbegriffe

Kollywood

Das Bollywood-Kino entsteht in der Hindi-Filmindustrie in Kerala. Eine große inhaltliche wie ökonomische Konkurrenz ist die südindische Tamil-Filmindustrie, auch bekannt als Kollywood. Der Name ist aus dem Ortsnamen Kodambakkam bei Madras abgeleitet, wo diese Industrie ihren Sitz hat, und zugleich eine Variation des bekannteren Bollywood, das seinerseits als Kofferwort aus Bombay und Hollywood gebildet wurde. Die Verflechtungen der beiden indischen Film-Industrien sind vielfältig. Seit jeher wird von erfolgreichen Tamil-Filmen ein Hindi-Remake gedreht. Der umgekehrte Weg wird dagegen selten beschritten. Viele tamilische Schauspielerinnen sind auch in Hindi-Filmen sehr beliebt (so etwa Vyjayantimala, Rekha, Hema Malini oder Sridevi). Kurioserweise gibt es hindisprachige Schauspielerinnen, die keinen Erfolg in Bombay hatten, aber große Stars in Madras sind (wie Khushboo, Naghma oder Queen Simran).
Der durchschnittliche Tamil-Film hat eine überzeugendere Handlung als die Produkte des Hindi-Kinos, das Komödiantische ist stärker ausgeprägt, die Musik schillernder und die Actionszenen sind viel lebhafter ausgestaltet. Seit Jahren machen Actionfilme den Hauptteil der Bollywood- wie auch der Kollywood-Produktionen aus. Bei aller Konzentration auf den indischen Tamilen-Submarkt sind die Verflechtungen des Kollywood-Kinos international: Ein älterer Erfolgsfilm ist Annamalai (1992), ein Remake des Hindi-Films Khudgarz (1987), bei dem Rakesh Roshan Regie führte und welcher wiederum von Jeffrey Archers Roman Kane and Abel (1980) „inspiriert“ wurde: ein Familiendrama, das die Geschichte einer Freundschaft aus dem Kindesalter erzählt, die zu einer Feindschaft wird. Shakti – The Power (2002), ein Hindi-Film von Krishna Vamshi, ist ein Remake des zweisprachigen Tamil-/Telugu-Films Anthappuram (1999, Krishna Vamsi) – und stofflich eine Verarbeitung von Not Without My Daughter (USA 1991, Brian Gilbert). 

Literatur: Thomas, Rosie: Mythologies and Modern India. In: World Cinema Since 1945. Ed. by William Luhr. New York: Ungar 1987, S. 301-329.


Artikel zuletzt geändert am 11.10.2013


Verfasser: TS


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