Lexikon der Filmbegriffe

Froschperspektive

engl.: worm‘s eye view oder frog‘s eye view; neutral: extreme low angle shot; manchmal auch: high-hat shot, high-hat mount

Eine extreme Untersicht, bei der die Kamera den Referenz-Akteur aus der Perspektive eines Frosches zu betrachten scheint. Ihr korrespondiert die extreme Aufsicht der Vogelperspektive. Froschperspektiven werden normalerweise selten eingesetzt, sind meistens als subjektive Aufnahmen markiert. Im Action-Film treten sie häufiger auf und dienen dann zur visuellen Dramatisierung des Geschehens – dazu rechnen Bilder, über die Autos oder Züge hinwegfahren können, in denen die Tiefe des Kamerastandortes selbst zum Thema gemacht wird, aber auch unmotivierte Einstellungen, die den Eindruck der Geschwindigkeit der Bewegung, der energetischen Ladung insbesondere von Objekten, aber auch die subjektive Einschätzung von Entfernungen irritieren und intensivieren. Beispiele finden sich schon im klassischen Film – so ist die Verfolgungsfahrt durch die Salzwüste in John Fords Stagecoach (1939) mit Froschaufnahmen durchsetzt. In Citizen Kane (1941) sind die Aufnahmen, die Kane während seiner Gouverneurs-Kampagne zeigen, zum Teil aus Fußbodenhöhe gemacht worden. Als allgemeine Regel gilt, dass Froschperspektiven – sofern sie nicht als subjektive oder dramatisierende Aufnahmen motiviert sind – verstörend und deplatziert wirken.

Literatur: Schmitt-Sasse, Joachim: Froschperspektiven: Gestaltung und Wahrnehmung. In: 1. Film- und Fernsehwissenschaftliches Kolloquium / Münster '88. Akten. Hrsg. v. Karl-Dietmar Möller, Hasko Schneider & Hans J. Wulff. Münster: MAkS Publikationen 1994, S. 17-24.

Referenzen:

Kamerahöhe

Vogelperspektive


Artikel zuletzt geändert am 12.10.2012


Verfasser: HJW


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