Lexikon der Filmbegriffe

Contrivance

engl. für ‚Kniff‘

Contrivance ist im Englischen gebräuchlich für Schlüsse, die mit der Wahrscheinlichkeit brechen, die oft wie angeklebt erscheinen. Gerade happy endings sind oft nicht organisch aus der Handlung entwickelt, sondern geben dem Geschehen am Ende eine oft wundersam wirkende Wendung. Ein oft genanntes Beispiel ist Murnaus Der letzte Mann (1924), in dem ein Zwischentitel mitteilt, dass der Autor Mitleid mit seiner Figur habe und ihm deshalb eine überraschende Wende zuteil werden lasse – der Toilettenmann beerbt einen amerikanischen Millionär, der Film verwandelt sich in eine Burleske. Eine ähnliche Wende enthält Chaplins The Gold Rush (1925), in dem der Tramp am Ende den Goldschatz findet und die Angebetete ihn doch noch erhört. Derartige Schlüsse sind auffällig, weil sie eine Kette von Unglücken durch eine glückliche Wendung beenden; sie sind oft reflexiv, weil sie eine essentielle Differenz von Fiktion und Realität thematisieren; und sie sind manchmal ironisch, weil sie dem Zuschauer augenzwinkernd versichern, dass die Hauptfiguren im Kino sicher sind und am Ende belohnt werden.

Referenzen:

dénouement

deus ex machina


Artikel zuletzt geändert am 12.10.2012


Verfasser: HJW


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