Lexikon der Filmbegriffe

Filmplakat


engl.: film poster

Obwohl schon in den frühesten Tagen des Kinos – in der Zeit des Kintops – Plakate die neuesten Filme ankündigten, wurden meistens nur Filmtitel und Filmgesellschaft genannt. Erst mit der Entstehung des Stars als Träger der Filmreklame wurden Filmposter zu einem Medium, das den Blick des Passanten anzog und ins Kino lockte. Ab 1909 wurden Filmplakate zunächst von der Edison Motion Picture Co., d.h. von der Motion Picture Patents Trust, en masse in einer normierten Größe (1 sheet) produziert und an die Kinobesitzer verteilt bzw. verliehen.
In der Zeit des klassischen amerikanischen Kinos stand dem Kinobesitzer eine ganze Reihe von Formaten zur Verfügung. Standardgrößen für Filmplakate waren 1 sheet (69x104cm), 3 sheets ab 1912 (104x206cm), 6 sheets ab 1912 (205x205cm) und 24 sheets große Plakatwände ab 1915 (274x625cm). Hinzu kamen die auf schwerem Papier gedruckten half sheets (56x71cm), inserts (35x91cm) und lobby cards (28x35cm), die ca. 1912 eingeführt wurden und meistens in den Vorhallen des Kinos ausgehängt wurden. Die Standardgrössen in Deutschland waren 60x80cm und 80x120cm; in England 101x76cm bzw. 70x101cm; in Frankreich 120x160cm; in Italien 100x140cm und 140x200cm; in Japan 51x71cm.
Stilistisch hat es über die Jahrzehnte gravierende Veränderungen gegeben: Waren Plakate bis in die 1950er Jahre oft gemalt, basierte ihr Design danach zunehmend auf Fotos. Allerdings hielt sich das graphisch gestaltete Plakat als Aushängeschild für den künstlerisch anspruchsvollen Film. Besonderes Ansehen genoss in den 1960er Jahren die polnische Plakatkunst. Obwohl Plakate früher kostenlos verteilt wurden, gelten sie heute als Sammelware, die je nach Rarität hohe Marktpreise realisieren. Der Rekordpreis bei einer Aktion erzielte ein 1-sheet von The Bride of Frankenstein (1935), welches im Jahre 1998 £450.000 bei Christies London einbrachte.

Literatur: Beilenhoff, Wolfgang / Heller, Martin (Hrsg.): Das Filmplakat. [...] Zürich/Berlin/New York: Scalo 1995. – Kamps, Johannes: Studien zur Geschichte des deutschen Filmplakats von den Anfängen bis 1945. Diss., Universität Mainz 2000. URL: http://ubm.opus.hbz‑nrw.de/volltexte/2004/512/.
Anthologien: Berchenhagen, Ekhart: 25 Jahre Filmplakate in Deutschland. Berlin: Kunstbibliothek 1975. – Branaghan, Sim / Chibnall, Steve (eds.): British Film Posters: an illustrated history. London: BFI Publications 2006. – Mänz, Peter/ Maryska, Christian (Hrsg.): Das UFA-Plakat: Filmpremieren 1918 bis 1943. Heidelberg: Umschau Braus 1998. – Nourmand, Tony / Marsh, Graham (Hrsg.): Film Posters of the 60s: the essential movies of the decade. From the reel poster galery collection. Köln: Taschen 2005. Weitere Monographien zu den Plakaten der 1930er, 1940er, 1950er, 1970er, 1980er und 1990er Jahren. – Pantel, Volker: Das Buch der Filmplakate (1945 bis 1965). Tübingen: Ulmer 1995. – Sarowitz, Sam / Salavetz, Judith (eds.): Art of the modern movie poster: international postwar style and design. San Francisco, California: Chronicle Books 2008.


Referenzen:

Plakatmaler

Plakatmaler: neue Entwicklungen

topliner


Artikel zuletzt geändert am 20.12.2012


Verfasser: JCH


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