Lexikon der Filmbegriffe

hygienische Filme

Vor allem in den 1920er Jahren entstanden in Deutschland mehrere Hundert sozialhygienische, sexualerzieherische und eugenische Filme, die im Rahmen der breit angelegten Gesundheitsaufklärung, in deren Rahmen auch die Gesundheitsämter entstanden, öffentlich gezeigt wurden. Filme und andere Medien der hygienischen und sexuellen Aufklärung sollten dazu dienen, Krankheiten wie Tuberkulose, Pocken, Syphilis, Fleckfieber und Krebs wirksamer bekämpfen zu können. Die Gesundheitskampagnen konzentrierten sich zunächst auf die Großstädte und verlagerten sich erst Ende der 1920er Jahre auch auf die ländlichen Gebiete. Neben der unmittelbaren Verbesserung der gesundheitlichen Lage der Bevölkerung war das übergeordnete Ziel, eine interventionistische Sozial- und Gesundheitsfürsorge zu etablieren. Die meisten Sozialhygienefilme sind verschollen.

Literatur: Schmidt, Ulf: Sozialhygienische Filme und Propaganda in der Weimarer Republik. In: Public Health & Public Opinion. Hrsg. v. Dietmar Jazbinsek Wiesbaden: Westdeutscher Vlg. 2000, S. 53-82. Überarb. in: Geschlecht in Fesseln. Sexualität zwischen Aufklärung und Ausbeutung im Weimarer Kino 1918-1933. Red.: Malte Hagener. München: Text & Kritik 2000, S. 23-46. – Schweisheimer, Waldemar: Die Bedeutung des Films für soziale Hygiene und Medizin. München: Müller 1920. – Vogel, Martin: Hygienische Filme. [Filmographie.] Berlin 1926. – Weiser, Martin: Medizinische Kinematographie. Dresden: Steinkopff 1919.


Artikel zuletzt geändert am 13.10.2012


Verfasser: HJW


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