Lexikon der Filmbegriffe

New Journalism

Von US-amerikanischen Print-Journalisten in den 1960er Jahren ins Leben gerufene Programmatik, die sich gegen einen ausschließlich am Faktischen orientierten Journalismus wendete, der sein Qualitätsverständnis ausschließlich aus einer objektiven Distanziertheit und der Trennung von Information und Meinung zog. Um dagegen zeitgenössische Stilistik und den Zeitgeist im allgemeineren zu dokumentieren und festzuhalten, verquickte der New Journalism fiktionale Erzählelemente mit akribischer Recherche, übernahm subjektive Elemente der Reportage und beleuchtete die jeweilige Szene aus der Innenperspektive ihrer Protagonisten und in der ihr eigenen Sprache: Jargon, Szeneschlagwörter, Neologismen, eine eigenwillige Interpunktion und Grammatik sollten die wirklichkeitsgesättigten Reportagen dieser engagierten Journalisten prägen. Als einer der ersten Klassiker des New Journalism gilt die 1963 erschienene Reportage von Tom Wolfe The Kandy-Kolored Tangerine-Flake Streamline Baby (dt: Das bonbonfarbene mandarinenrot-gespritzte Stromlinienbaby). Eine ähnliche Assimilierung der Stilistiken von Darstellung und Dargestelltem findet sich seit Ende der 1960er Jahre auch in Formen des Fernsehdokumentarismus – die Differenzierung der Milieus und ihrer Stile wurde in die dokumentarischen Formen aufgenommen. Allerdings zeigte sich schnell, dass aus der Assimilierung weniger ein spezifischer distanziert-dokumentarischer Zugriff als vielmehr ein affirmativer Szenejournalismus sich entwickeln würde. Dokumentarfilme im Stil des New Journalism sind darum bis heute selten geblieben.


Artikel zuletzt geändert am 20.07.2011


Verfasser: HJW


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