Lexikon der Filmbegriffe

Parufamet-Vertrag

Dem Konkurs nahe, unterschrieb die Ufa am 30.12.1925 einen auf zehn Jahre perspektivierten Vertrag mit Universal, MGM und Paramount. Demnach bekam die Ufa 4.000.000 US-$ zu 7,5% Zinsen. Es wurde eine neue Verleihgesellschaft, die später Parufamet genannt wurde, ins Leben gerufen. Dieser Verleih, der sämtliche Ufa-Kinos beliefern würde, gehörte laut Vertrag zu 50% der Ufa und zu jeweils 25% der Paramount und MGM; Parufamet-Filme sollten 50% der Spieltermine im Ufa-Kinopark einnehmen. Insgesamt sollte der neue Verleih 60 Filme pro Jahr vertreiben. Davon stammten lediglich zehn aus der Ufa-Produktion, zehn gehörten dem Universal-Konzern, jeweils zwanzig den beiden anderen Partnern. Als Kaution bot die Ufa ihr am Potsdamer Platz gelegenes Hauptverwaltungsgebäude (das Haus Vaterland). Während die Ufa bzw. die Parufamet in Gemeinschaft mit den Amerikanern Filmproduktionen in Angriff nehmen sollte, war es im Vertrag unklar, wie und unter welchen Bedingungen dies geschehen sollte - die Amerikaner stellten keine Produktionsvorhaben in Berlin konkret in Aussicht, und letztenendes kam es auch niemals dazu. Paramount und MGM verpflichteten sich auch, zehn Ufafilme in ihren amerikanischen Verleih aufzunehmen, doch eine Klausel („für den amerikanischen Geschmack geeignete Produktionen“) ließ die Amerikaner diesen Punkt spielend umgehen.
So musste die Ufa einen großen Teil ihrer Freiheit einbüßen. Obwohl die Amerikaner kein Stimmrecht im Direktorium des Ufa-Konzerns erhielten, hatten sie sich durch die Parufamet einen Mehrheitsplatz in den Uraufführungstheatern der Ufa erworben.
Die Kurzzeitwirkungen des Parufamet-Vertrags fielen besonders stark im deutschen Verleihgeschäft aus. Im Jahre 1926 konnten Paramount, Metro und Universal insgesamt 70 Filme in die Weimarer Republik importieren. Im Jahre 1928, nachdem die Universum Film Ges. wieder in völlig deutsche Hände überging (zum Hugenberg-Konzern kam), konnte Ludwig Klitsch die Bedingungen des Parufamet-Vertrages mildern und den seinerzeit gewährten Kredit relativ schnell abzahlen. Die Zahl der amerikanischen Filme im Ufa-Angebot fiel auf insgesamt 56, davon gingen 44 auf das Konto des Parufamet-Verleihs, der aber auch nur vier deutsche Filme verlieh. Der Anteil der amerikanischen Filme in Ufa-Kinos sank deshalb auf 45 Titel (gegenüber 27 deutschen Filmen). Erst 1932 konnte sich die Ufa vollständig aus dem ungünstigen Vertrag lösen.

Literatur: Horak, Jan-Christopher: Rin-Tin-Tin erobert Berlin oder amerikanische Filminteressen in Weimar. In: Filmkultur zur Zeit der Weimarer Republik. Hrsg. v. Uli Jung und Walter Schatzberg. München/New York: K.G. Saur 1992. – Saunders, Thomas J.: Hollywood in Berlin. American Cinema and Weimar Germany. Berkeley: University of California Press 1994.


Artikel zuletzt geändert am 25.07.2011


Verfasser: JCH


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