Lexikon der Filmbegriffe

Röntgenfilm

(1) Die von Wilhelm Conrad Röntgen im Jahre 1895 entdeckten und nach ihm benannten Röntgenstrahlen wurden zunächst benutzt, um Röntgenbilder auf photographischen Platten (und später dann auf photographischem Film, engl.: x-ray film) festzuhalten. Röntgenapparaturen wurden schnell zu einem Standard der medizinischen Diagnostik. Erst neuerdings werden Röntgenaufnahmen mit Rechner zu 3-D-Darstellungen von Bewegungsabläufen umgesetzt, so dass heute ein nachphotographischer Röntgenfilm als diagnostisches Medium entsteht.
(2) Als diagnostisches Hilfsmittel blieben bewegte Röntgenfilme im 20. Jahrhundert eher Ausnahme und Kuriosum. Mitte der 1930er Jahre drehte der Avantgardefilmer Dr. James Sibley Watson an der University of Rochester Medical School Dutzende von Röntgenfilmen, um ihre Brauchbarkeit im Medizinischen zu erproben. Diese Aufnahmen fanden später in Barbara Hammers Anti-AIDS-Film Sanctus (1999) Eingang. Auch in der Ufa-Kulturabteilung drehte man Röntgenfilme, u.a. Röntgenstrahlen (1937, Martin Rikli) oder Beispiele von Röntgenfilm- und Überzeitlupen-Aufnahmen als Ergänzung zu bereits zensierten Kulturfilmen als Lehrmittel (1943). Mit der Entwicklung von Aufnahmeapparaten, die die Strahlendosis auf ein Minimum reduzierten, wurden in den letzten dreissig Jahren auch Röntgenfilme verstärkt in der Diagnostik eingesetzt.

Literatur: Reichert, Ramón: Erotisch-voyeuristische Visualisierungstechniken im Röntgenfilm. In: Zeitenblicke 7,3, 2008, URL: http://www.zeitenblicke.de/2008/3/reichert.


Artikel zuletzt geändert am 07.02.2012


Verfasser: JCH


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