Lexikon der Filmbegriffe

Fanzine

auch: e-zine (Ezine), online fanzine, zine; Kofferwort (seit den 1940er Jahren verwendet) aus dem älterem engl. fan ‚begeisterter Anhänger oder Liebhaber‘ (seit 1889, Wiederbelebung von fan als Kürzung des noch viel älteren fanatic - bzw. auch eine Ableitung vom Kollektivausdruck the fancy aus dem 18. Jahrhundert) + magazine: ‚Fanmagazin, Fanzeitschrift‘.

Fanzines sind Zeitschriften für Anhänger einer bestimmten (Sport-)Mannschaft, eines Populärkünstlers oder Stars/Starlets, einer Fernsehserie oder eines (Film-)Genres, insbesondere auch von entlegenen und abseitigen Themen und Motiven (aus Science Fictions, Fantasy, Horror, Sex), die von Fans erstellt werden und sich an andere, gleichgesinnte Fans richten. Sie sind in der Regel nichtkommerziell gedacht, häufig selbstausbeuterisch produziert und auch nicht über die üblichen Vertriebsformen der Printmedien erhältlich, sondern nur durch Direktbestellung zu beziehen – wodurch der Kreis der Interessenten überschaubar bleibt –, oder sie werden unter der Hand an Vertraute und Freunde weitergereicht, wodurch der soziale und kommunikative Zusammenhalt der ‚Gemeinde‘ zusätzlich gestärkt wird. Gelegentlich werden Fanzines durch die (Film-)Industrie gesponsert, manchmal sogar herausgegeben und sind dann kaum von Werbematerial, das mit Leserbriefen und Bekennerschreiben durchsetzt ist, zu unterscheiden. Sind ursprüngliche Fanzines Produkte einer medieninduzierten subkulturellen Gegenöffentlichkeit mit eigener Kommunikationsästhetik (Design, visuelle Codes, Sprachkonventionen) von mitunter bewusst niedrig gehaltenem Standard (sogenannte „Graue Literatur“), können sie schnell zu Instrumenten der etablierten Kulturindustrie werden. Mit der massenhaften Verbreitung von Internetzugängen und der Möglichkeit, online fanzines oder e-zines (bzw. Ezines) anzubieten, wird der Unterschied zu den großen Publikumszeitschriften und wissenschaftlichen Fachblättern hinsichtlich technischer Aufbereitung und Distributionsverfahren wesentlich geringer und kann dann primär nur noch inhaltlich bestimmt werden.

Literatur: Forman, Murray: Media form and cultural space: negotiating rap "fanzines". In: Journal of Popular Culture 29,2, 1995, S. 171-188. – Sanjek, David: Fans' notes: the horror film fanzine. In: The horror reader. Ed. by Ken Gelder. London / New York: Routledge 2000, S. 314-323. – Smith, Matthew J.: Strands in the Web: community-building strategies in online fanzines. In: Journal of Popular Culture 33,2, 1999, S. 87-100. – Triggs, Teal: Alphabet soup: reading British fanzines. In: Visible Language 29,1, 1995, S. 72-87.


Artikel zuletzt geändert am 01.08.2011


Verfasser: HJW LK


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