Lexikon der Filmbegriffe

Szene

von griech.: skene = Hütte, Zelt; die skene war im griechischen Theater eine am Rand der Orchestra errichtete Hütte aus Holz, auf deren Dach vor allem Götterauftritte stattfanden

(1) Die Szene bzw. der Auftritt ist ein probetechnisch bedingter Abschnitt eines Theaterstücks. Von der Einteilung in Szenen unterscheidet sich die Einteilung in Akte bzw. Aufzüge, die sich aus der Handlungslogik ergibt, und die Einteilung in Bilder (tableaux), die sich aus den Dekorationswechseln erklärt. Bei moderneren Stücken seit dem 20. Jahrhundert vermischen sich manchmal diese drei Kriterien der Unterteilung.

Literatur: Pfister, Manfred: Das Drama. Theorie und Analyse. München: Fink 1977, Kap. 6. Zahlr. Neuaufl.

(2) Szene wird auch als Synonym für Bühne gebraucht, z. B. in der Redewendung „Verwandlung auf offener Szene“. Gemeint ist wohl die für den Zuschauer einsichtige Bühne, also die „Bühne des Spiels“.

(3) Eine Szene ist Teil eines Films, die meist schon im Drehbuch vorgenommen wird. Gegenüber der Sequenz, deren formale Eigenständigkeit sich oft aus Montageformen ergibt (wie bei der Komparations- und Parallelmontage), bezeichnet man mit dem Begriff Szene die Kontinuität der beobachteten Handlung, eine oft an die Situation des Alltagslebens oder die Szene des Theaters gemahnende Einheit der Interaktion, der Kommunikation oder des Handelns. Nach den traditionellen Regeln der Dramaturgie beginnt eine Szene, wenn sich die Personenkonstellation auf der Bühne verändert (entrer en scène – eine Person kommt hinzu; sortir de scène – eine Person geht ab). Es ist der Zusammenhang von Zeit, Ort und Figuren, die so etwas wie die szenische Einheit entstehen lassen, eine Ganzheit des Handelns der Akteure, die gegenüber der Umgebung relative Autonomie genießt. Schauplatzwechsel ist der deutlichste Indikator von Szenengrenzen. In einer Handlungs-Szene kommen dargestellte Zeit und Darstellungszeit idealerweise zur Deckung; zwischen Szenen liegt dagegen fast immer ein Zeitsprung vor, der durch eine Veränderung der Handlung zusätzlich akzentuiert wird. Eine Sonderrolle spielen modal eigenständige Szenen (wie Träume, Phantasien, manche Erinnerungen etc.).

Literatur: Levine, Sanford: The 247 best movie scenes in film history. A filmgoer's guide to cigar scenes, car chase scenes, haircut scenes, whistling scenes, dentist scenes, fluttering drapes, funny walks, mirrors, name mispronunciations, parking meters, sagging shoulders, steambaths, and numerous other scenes long noted by aficionados. Jefferson, NC [...]: McFarland 1992. – McGee, Robert: Story. Substance, structure, style, and the principles of screenwriting. New York: Regan Books 1997, S. 252-287.
 

Referenzen:

Diorama I: Illusionsszenen

dramatische Szene

erotische Szene

gestellte Szene

Große Szene

komische Szene

Massenszene

nichtfiktionale Szene

obligatorische Szene

Schlüsselszene

Sequenz und Szene

Klimax


Artikel zuletzt geändert am 13.11.2012


Verfasser: W HJW


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