Lexikon der Filmbegriffe

Aaton

Jean-Pierre Beauviala, ein junger Elektronik-Ingenieur an der Universität von Grenoble, entwickelte 1967 den Prototyp einer Tonfilmkamera, die den genauen Zeitpunkt der Aufnahme sowohl auf dem Film- wie auf dem Audiomaterial aufzeichnete (später XTR Aaton Time-Code genannt), so dass mehrere gleichzeitige Ereignisse aufgezeichnet und zeitlich miteinander koordiniert werden konnten. Eclair übernahm das Patent und stellte Beauviala als Ingenieur ein. Als Eclair nach wenigen Jahren (1972/73) von dem englischen Produzenten Harry Saltzman aufgekauft wurde und auch Debrie den Besitzer wechselte, gründete Beauviala in Grenoble seine eigene Firma. Vor allem der Dokumentarist Jean Rouch half dabei, sehr genaue Anforderungen des dokumentarischen Filmens an das Equipment zu formulieren und die Produkte Aatons weltweit bekannt zu machen. Schnell arbeiteten amerikanische Dokumentaristen wie Don A. Pennebaker, Richard Leacock, Barbara Kopple oder die Maysles-Brüder, aber auch französische Filmemacher wie Louis Malle oder Jean-Luc Godard mit Aaton-Apparaten. Ohne verfestigte bürokratische Strukturen, in direktem Austausch mit den Filmemachern entstand bald eine Kamera, die der US-amerikanische Dokumentarist Jean-Philippe Carson für seine Arbeit im Rahmen der Black-Panther-Bewegung entwickelt hatte und die bei minimaler Ausstattung möglichst große Robustheit aufweisen sollte (einer ihrer Nachfolger ist die nur 2kg schwere „A-Minima“, die heute vertrieben wird). Gleichzeitig zu diesem Beitrag zu einem ‚cinéminima‘ wurde von 1971 bis 1973 die Schulterkamera „Aaton 7A“ entwickelt, die Leichtigkeit mit ergonomischer Gestaltung vereinigte; ihre Entwicklung mündete in die Konzeptionierung der heute noch gebauten Studiokamera Aaton-XTRprod, die für ihre Leichtigkeit bekannt ist. Frühe Experimente mit Videoausspiegelung folgten, an deren Ende eine eigene winzige, nur mikrophongroße Videokamera präsentiert wurde („la Paluche“). 1985 erreichte Arriflex, dass die Konkurrenzfirma Lizenzen vor allem für die Verwendung von Arri-Optiken übernehmen musste. Doch Aaton erholte sich von diesem Rückschlag schnell und ist bis heute einer der wichtigsten Anbieter von 16mm-Kameras geblieben.

Literatur: http://www.aaton.com/.


Artikel zuletzt geändert am 14.01.2012


Verfasser: JH


Zurück