Lexikon der Filmbegriffe

DEFA

Abkürzung für „Deutsche Film-Aktiengesellschaft“. Sie wurde am 17.5.1946 in der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ) gegründet. Im Auftrag der Sowjetischen Militäradministration in Deutschland (SMAD) übergab Oberst Tulpanow die Lizenz zur Herstellung von „Filmen aller Art“ an ein „Filmaktiv“, zu dem sich im Sommer 1945 Regisseure, Autoren, Szenenbildner, Schauspieler/innen, die keine exponierte Rolle während der Nazizeit gespielt hatten, zusammenschlossen, um den Aufbau einer neuen deutschen Filmproduktion im Bereich der SBZ vorzubereiten. Bereits im Februar 1946 war die erste Ausgabe der DEFA-Wochenschau Der Augenzeuge erschienen. Im Mai 1946 hatten die Außen- und Atelieraufnahmen für den ersten deutschen Nachkriegsfilm Die Mörder sind unter uns (Wolfgang Staudte) begonnen. Formal wurde das Filmaktiv am 13.8.1946 in die Deutsche Film GmbH umgewandelt. Am 11.11.1947 wurde sie zu wiederum einer deutsch-sowjetischen Aktiengesellschaft; erst am 6.10.1948 wandelte sie sich zur namengebenden Deutschen Film-Aktiengesellschaft – immer noch mit starker finanzieller Beteiligung der Sowjetunion. Das sowjetische Kapital wurde erst 1951 aus der DEFA herausgezogen. Am 31.12.1952 wurde die Einheit der DEFA aufgelöst und durch eine ganze Reihe von DEFA-Studios, die jeweils als volkseigene Betriebe geführt wurden, ersetzt. Die Defa wurde am 1.7.1992 aufgelöst; die Auswertung der Rechte an den DEFA-Filmen übernimmt die DEFA-Stiftung. Am 10.12.1992 wurde der Kaufvertrag rechtskräftig, der das DEFA-Studio für Spielfilme in Babelsberg in den Besitz der französischen Holding CGE brachte.
Zur DEFA zählten im Lauf der Jahre eine ganze Reihe manchmal sehr großer Abteilungen; zu ihnen zählten: das DEFA-Studio für Spielfilme in Potsdam-Babelsberg (seit 1948; es handelte sich um das ehemalige Ufa-Gelände); das DEFA-Studio für populärwissenschaftliche Filme in Potsdam, Alt-Nowawes (seit 1955); das DEFA-Studio für Wochenschau und Dokumentarfilme in Berlin (1968 zum DEFA-Studio für Kurzfilme reorganisiert, 1975 zum VEB DEFA-Studio für Dokumentarfilme); das DEFA-Studio für Trickfilme in Dresden (seit 1956); das DEFA-Studio für Synchronisation in Berlin-Johannisthal; die DEFA-Kopierwerke in Berlin-Köpenick und Berlin-Johannisthal; der DEFA-Außenhandel in Berlin. Alle Unternehmen der Filmproduktion und Filmdistribution unterstanden in der DDR einer zentralen staatlichen Leitung, dem Ministerium für Kultur (seit seiner Gründung am 7.1.1954), Hauptverwaltung Film. Filmproduktion und Verleih wurden vom Staat subventioniert. Die Hauptverwaltung Film nahm maßgeblich Einfluß auf die Produktion von Filmen und nahm die Funktion einer Zensurbehörde wahr. 

Literatur: http://www.defa-stiftung.de/. – Glass, Peter: Kino ist mehr als Film. DEFA-Spielfilm, Kino und Kulturpolitik in der DDR. Berlin: AG Vlg. 1996. – Schenk, Ralf (Red.): Das zweite Leben der Filmstadt Babelsberg. DEFA-Spielfilme 1946-1992. Hrsg. v. Filmmuseum Potsdam. Beitr. v. Christiane Mücken­berger [et alii]. Berlin: Henschel 1994. – Schittly, Dagmar: Zwischen Regie und Regime: die Filmpolitik der SED im Spiegel der DEFA-Produktionen. Berlin: Links 2002 (Forschungen zur DDR-Gesellschaft.).
 

Referenzen:

Babelsberg

DEFA I: Gründung und Organisation

DEFA II: Entwicklung bis 1965

DEFA III: Entwicklung nach 1965

DEFA-Stiftung


Artikel zuletzt geändert am 03.03.2012


Verfasser: JH


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