Lexikon der Filmbegriffe

Fetisch / Fetischismus I

vom lat. Adjektiv factitius, -a, -um ‚nachgemacht, künstlich hergestellt, dem Natürlichen entgegengesetzt‘ über portug. feitiço ‚Zaubermittel‘ und franz. fétiche zu dt. Fetisch mit seiner primär ethnologischen Bedeutung ‚zauberkräftiger Gegenstand, der helfen und schützen kann; Amulett, Talisman‘

(1) Filme, die sich mit dem Thema auseinandersetzen, sind in der Regel ethnographische, fast immer wissenschaftliche Filme. Das Motiv des Fetisch als (pseudo-)religiösen Verehrungsgegenstands mit ‚magischen‘ Kräften kann jedoch auch im Spielfilm zur Charakterisierung von alten oder versunkenen Kulturen und Religionen, magischen Praktiken, dämonischen oder satanistischen Riten etc. in allen möglichen Spielarten von Historienfilmen (Antikenfilm, Barbarenfilm, Entdecker- und Abenteuerfilm), ebenso aber im Horror-, Kannibalen- und Slashergenre wie auch in der Dämonomanie von College- und Teenie-Horrorkomödien eingesetzt werden.
(2) Seit dem 19. Jahrhundert sind Fetische nicht nur die Bezeichnungen für die fatale Zauberkraft der Waren (der Marx‘sche Warenfetischismus), sondern vermeinen in der Sexualwissenschaft – seit Alfred Binet und Richard von Krafft-Ebing – die leidenschaftliche sexuelle Besetzung von Partialobjekten, die als Substitute für reale Personen und partnerschaftliche Beziehungen dienen. Fetische funktionieren wie intermediäre Wesenheiten, die dem Fetischisten erlauben, sich von der materiellen Realität aus Fleisch und Blut, von der anstrengenden und angsterregenden Welt der soziokulturellen Beziehungen zu lösen und eine autonome, gänzlich künstliche, nur phantasmatisch funktionierende Welt zu kreieren. Die substitutionelle Funktion der Fetische bildet in Buňuels Ensayo de un crimen (Mexiko 1955) mit der fast rituell anmutenden Verbrennung eines Frauenkörper-Substituts (in Form einer Schaufenster-Puppe) die Übergangsbedingung zu einer unvermittelten, den Partner selbst meinenden Form der Zuwendung. 

Literatur: Böhme, Hartmut: Fetischismus und Kultur. Eine andere Theorie der Moderne. Reinbek: Rowohlt 2006 (Rowohlts Enzyklopädie.).
 

Referenzen:

Horrorfilm


Artikel zuletzt geändert am 13.10.2012


Verfasser: LK


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