Lexikon der Filmbegriffe

blow-up

dt. meist: aufblasen

(1) Eine optische Vergrößerung von einem Trägerformat auf ein anderes wird blow-up genannt. Man kann also 16mm-Material auf 35mm-Material „aufblasen“. Dabei gilt als Faustregel, dass die Körnigkeit des aufgeblasenen Materials die Körnigkeit des kleinen Ursprungsmaterials aufnimmt, der aufgeblasene Film also ausgesprochen grobkörnig ist. Zwar ist der direkte Blow-Up von einem 16mm-Negativ- auf 35mm-Positivfilm die billigste und qualitativ höchstwertige Variante des Blow-Up, doch wird bei Filmen, die massenkopiert werden sollen, mit Interpositiven gearbeitet (z.B.: 16mm-Negativ auf 16mm-Interpositiv, dieses per Vergrößerung auf 35mm-Negativ, dieses per Kontaktkopie auf die 35mm-Erstkopie; die beste Auflösung erreicht man mit einem 35mm-Interpositiv, dem allerdings teuersten Verfahren).
Die Grobkörnigkeit des aufgeblasenen Materials kann ganz eigene ästhetische Qualität haben – wenn z.B. (reales oder eigens zu dem Zweck hergestelltes) 8mm-Amateurfilmmaterial auf 35mm aufgeblasen wird, ist die radikal vom Umfeld abgesetzte Körnigkeit zum einen ein permanenter materialästhetischer Hinweis auf die Andersartigkeit des Filmmaterials, zum anderen ein melancholischer Hinweis auf die Vergänglichkeit des Vorfilmischen.
Neben der optischen Vergrößerung stehen heute mehrere elektronisch unterstützte Verfahren zur Verfügung, die ein digital intermediate herstellen, das wiederum – hinsichtlich Auflösung, Korngröße etc. – bearbeitet werden kann.
Die verkleinernde optische Kopie wird als reduction print oder blow-down bezeichnet.
(2) Auch der fotografische Prozess der Vergrößerung nennt sich blow-up, wobei eine ähnliche Regel gilt: je kleiner der vergrößerte Ausschnitt wird, desto weniger Bildinformationen enthält das schließliche Positiv. Michelangelo Antonionis Film Blow Up (1967) thematisiert genau dieses Problem – am Ende ist sich der Fotograf nicht mehr sicher, was er eigentlich fotografiert hat.

Literatur: Film- und TV-Kameramann 58,4, April 2008, S. 76-105: 16mm-Blow-Up.

Referenzen:

35mm-Blowup


Artikel zuletzt geändert am 28.07.2011


Verfasser: JH


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