Lexikon der Filmbegriffe

Nero Film

Die nach der Ufa wohl wichtigste, wenn auch kleine Filmgesellschaft der Weimarer Republik, die Nero-Film GmbH., zeichnete für nicht weniger als anderthalbdutzend deutsche Filmklassiker verantwortlich, darunter Die Büchse der Pandora (1928), Westfront 1918 (1930), Ariane (1931), M (1931), Kameradschaft (1931) und Das Testament des Dr. Mabuse (1933). Gegründet wurde die Nero im Jahre 1926 von Seymour Nebenzahl, neben Erich Pommer einer der einflussreichsten Produzenten der deutschen Filmgeschichte. Zunächst produzierte die Firma Genrefilme - u.a. mit Harry Piel und Harry Liedke; schon in dieser Phase stießen immer mehr Regisseure gehobenen Geschmacks zur Firma, unter ihnen Richard Oswald, Hanns Schwarz und Kurt Bernhardt. Mit dem Ende der Stummfilmzeit wurden G.W. Pabst und Fritz Lang geradezu Hausregisseure, drehten bis zu ihrer jeweiligen Emigration ausschliesslich für die Nero. Auch Nebenzahl und die Nero gingen ins Exil, nachdem das politisch motivierte Verbot von Das Testament des Dr. Mabuse im März 1933 die Firma in den Konkurs trieb. Im Oktober 1934 wurde die Firma aus dem Handelsregister gestrichen, doch die Nero lebte weiter in Paris, wo sie zu einer der ersten Adressen des deutschen Flmexils wird. Mit Mayerling (1936) von Anatole Litvak kann sie einen geschäftlichen, künstlerischen und kritischen Welterfolg verbuchen. Weitere Filme entstanden unter der Regie von Robert Siodmak, Max Nosseck und Max Ophüls. Mit dem Einmarsch der Deutschen Wehrmacht in Frankreich mussten Nebenzahl und die Nero erneut emigrieren und fanden den Weg nach Hollywood. Dort entstand im Jahre 1945 eine neue Nero, die einige B-Filme produzierte, u.a. den Film noir The Chase (1946), den United Artists verliehen. Nebenzahl verkaufte die Remakerechte verschiedener Filme, so M (1951) an Columbia und Das Testament des Dr. Mabuse im Jahre 1957 an Artur Brauner. Nebenzahl/Nero drehten einen letzten Film in der Bundesprepublik, bevor Nebenzahl 1961 in München starb.

Literatur: Erika Wottrich (Red.): M wie Nebenzahl. Nero – Filmproduktion zwischen Europa und Hollywood. München: Edition Text + Kritik 2002.


Artikel zuletzt geändert am 20.07.2011


Verfasser: JCH


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