Lexikon der Filmbegriffe

Babelsberg

Die Deutsche Bioscop Gesellschaft kaufte 1911 ein Fabrikgebäude, das zum Glasatelier umgebaut wurde. Schon 1912 begannen Dreharbeiten für den Stummfilm Der Totentanz von Urban Gad mit Asta Nielsen. 1921 fusionierte die Bioscop mit der Ufa (Universum Film AG); die Ufa erweiterte das Gelände und baute es zum führenden europäischen Filmzentrum aus. Hier entstanden Die Nibelungen (1922/24) oder Faust (1926). Die noch heute größte Halle der Filmstadt – die heute „Marlene-Dietrich-Halle“ genannte Mittelhalle – entstand 1926. 1929 wurde das Tonkreuz errichtet, das modernste Tonstudio seiner Zeit mit vier kreuzförmig angeordneten schallgedämmten Ateliers. Viele der bedeutendsten deutschen Filme der Zeit wurden in Babelsberg gedreht, darunter Der blaue Engel (1930) mit Marlene Dietrich. Auch in der Nazizeit produzierte das Studio – seit 1935 „Ufastadt Babelsberg“ genannt – weiter; neben einer Vielzahl von Unterhaltungsfilmen entstanden auch Jud Süß (1940) oder Kolberg (1943/45) hier. Nach dem Krieg übernahm die 1946 gegründete DEFA auch das Babelsberg-Gelände und realisierte zwischen 1948 und 1992 über 1000 Literaturverfilmungen, Historiendramen, Antifaschismus-Lehrfilme und Indianerfilme.
Nach der Wiedervereinigung wurde das in der DDR-Zeit auf 46ha vergrößerte Areal an den französischen Mischkonzern Compagnie Générale des Eaux (CGE) verkauft (später in Vivendi Universal umbenannt). Neben der Film-, Fernseh- und Medienproduktion sah das Nutzungskonzept der Euromedien Babelsberg, die die Entwicklung, Vermietung und Vermarktung des Areals übernommen hatte, auch den Ausbau der Bereiche Freizeit, Unterhaltung und Wohnen vor. Später kam die Studio Babelsberg GmbH dazu, die seitdem die Film- und Fernstudios sowie den Bereich Postproduktion, die Studiotour, den Filmpark sowie die Bereiche Special Events und Catering betreibt. Schon 1995 wurde das Fernsehzentrum mit dem integrierten Medienhaus fertiggestellt, in dem u.a. die daily soap GZSZ gedreht wird. 1996 bezog der ORB sein Sendezentrum, 1999 wurde das Special-Effects-Zentrum Babelberg fx.Center fertiggestellt, 2000 zog auch die Hochschule für Film und Fernsehen „Konrad Wolf“ auf das Gelände. Heute (Stand 2002) ist die Medienstadt Babelsberg mit ca. 130 Unternehmen und 3.200 Beschäftigten der drittgrößte Medienproduktionsstandort in Deutschland.

Literatur: http://www.studiobabelsberg.com/. Babelsberg – Gesichter einer Filmstadt. Hrsg. vom Filmmuseum Potsdam. Red. und Lektorat: Jürgen Bretscheider [...]. Berlin: Henschel 2005. Jacobsen, Wolfgang: Babelsberg. Das Filmstudio 1912-1995. [Berlinale. Retrospektive. 1992.] Berlin: Argon-Vlg. 1992. Mehrere Neuaufl.


Artikel zuletzt geändert am 03.03.2012


Verfasser: JH


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