Lexikon der Filmbegriffe

Cannon Films / Cannon Group, Inc.

Cannon Films wurde 1967 in den USA gegründet. Die unabhängige Produktionsfirma verdiente vor allem mit Sexploitation-Filmen Geld (darunter Joe, 1970, John G. Avildsen). 1979 übernahmen die beiden israelischen Cousins Menahem Golan und Yoram Globus die Firma, benannten sie in Cannon Group um und entwickelten sie zu einer der erfolgreichsten unabhängigen Produktionen der 1980er Jahre. Erste Erfolge waren Death Wish 2 (1982), Enter the Ninja (1981) und The Last American Virgin (1982) – unterstützt durch aggressives Marketing und eigens dazu gestartete Öffentlichkeits-Aktionen; die finanziellen Sicherheiten erwarb die Firma durch den Verleih- und Videorechteverkauf vor Fertigstellung der Filme. Die Chuck-Norris-Filme Missing In Action I/II (1984/85), The Delta Force (1984) und Invasion U.S.A. (1985) konsolidierten die Marktposition der Cannon-Group. 1986 übernahmen die Cannons die Filmabteilung der englischen EMI (einschließlich der großen Rechtebibliothek); im gleichen Jahr produzierte die Gruppe 43 Filme. Die Theaterkette Lord Lew Grades sowie zwei weitere Ketten in England und den Niederlanden wurden aufgekauft, und die Auswertung der Videorechte durch den Zukauf einer ganzen Reihe älterer Filme verbreitert. Zunehmend wurden auch künstlerisch wertvolle Filme (wie Barfly, 1987, Shy People, 1987, Tough Guys Don’t Dance, 1987) durch die Cannon Group finanziert. Das finanzielle Desaster des Science-Fiction-Films Lifeforce (1986), des Sylvester-Stallone-Films Over the Top (1987), Superman IV: The Quest For Peace (1987) und der Fantasy-Action Masters of the Universe (1987) deutete aber auf den Zusammenbruch hin: 1987 begann sich der Italiener Giancarlo Paretti finanziell bei Cannon zu engagieren. Die Firma wurde in Pathé Communications umgetauft (1988). Finanziert von der französischen Bank Crédit Lyonnais übernahm er 1989 zusammen mit Florio Fiorini die Gruppe. Schon im nächsten Jahr versuchten die beiden, MGM für 1,3 Milliarden US-$ aufzukaufen, konnten den Kredit an die Crédit Lyonnais aber 1992 nicht zurückzahlen (die Verluste glich der französische Staat aus). Die Prozesse um die versuchte Übernahme dauern auch zehn Jahre später noch an. 


Artikel zuletzt geändert am 02.08.2011


Verfasser: JH


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