Lexikon der Filmbegriffe

Halluzination

Halluzinationen gehören zu den Imaginationen. Filmische Beispiele für die Darstellung von Halluzinationen sind recht selten, weil sie voraussetzen, einen Film in einem strikt subjektiven Sinne zu perspektivieren. Nur dann, wenn man die Realität als subjektive Wirklichkeit ausgestaltet, ist es möglich, Halluzinationen mit jenem Wirklichkeitsanspruch zu zeigen, den sie auch in der Realität Halluzinierender haben. Beispiele sind Roman Polanskis Repulsion (1965), in dessen zunehmender Subjektivisierung die Protagonistin einen Mann und eine Leiche halluziniert, oder Robert Altmans Images (1971), dessen gesamte diegetische Realität aus der Innensicht der Protagonistin gestaltet ist, so dass am Ende kaum noch Irritationen darüber auftreten, dass Leichen im Raum liegen, die von einigen der Akteure nicht weiter beachtet werden, oder auch Ingmar Bergmans Ansikte mot Ansikte (1976), in dem eine Patientin eine alte Frau halluziniert, die sich am Ende als Wegweiserin der Therapie erweist. Ein Beispiel neueren Datums ist Ron Howards A Beautiful Mind (2001), der in seiner ersten Hälfte eine ganze Reihe von Figuren enthält, die sich als Halluzinationen des Protagonisten erweisen. Auch The Sixth Sense (1999, M. Night Shyamalan) wird erst am Ende als Geschichte aufgeklärt, die konsequent aus der Perspektive einer Halluzination (resp. eines halluzinierten Toten) erzählt wurde. Die Mehrzahl der Fälle zeigen subjektive Einsprengsel in die sichere äußere Realität (wie die Schreckensvisionen, die der Säufer-Held in Billy Wilders The Lost Weekend, 1945, zu erleiden hat), oft als drogeninduzierte Erfahrungen motiviert (wie in Roger Cormans The Trip, 1967).

Referenzen:

Traum / Traumdarstellung


Artikel zuletzt geändert am 27.01.2012


Verfasser: HJW


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