Lexikon der Filmbegriffe

Konnotation

Ein Zeichen bezieht sich auf einen Gegenstand, indem es ihn unmittelbar vermeint (man nennt diese Beziehung Denotation) und indem es die Bedeutungen mitaktiviert, die mit ihm assoziativ verbunden sind (eine Beziehung, die oft Konnotation genannt wird). Grundlage der assoziativen Bezeichnung können alle Formen der Assoziation – Kausalität, Bedingung, Koexistenz, Habitualisierung etc. – sein, die zeitliche, argumentative, atmosphärische oder situative Kontexte erzeugen, aber auch Nebenbedeutungen der Emotionalität, Einschätzung und Bewertung. In der semiotischen Filmtheorie ist die Konnotation von Beginn an als filmischer Signifikationsmodus eingeführt worden. Zentral wird er in Metz‘ psychoanalytischer Filmtheorie – danach ist die Produktion konnotativer Bedeutung sogar das eigentliche Zentrum der filmischen Signifikation.
In der Werbeanalyse von Roland Barthes ist die dritte Schicht der Werbebotschaft eine ikonische oder symbolische, die das Konnotative umfasst – es sind die Konnotationen des Bildes und stehen in intimer Beziehung zu den Images des Produktes. Konnotationen in diesem Sinne sind kodiert und Teil des erworbenen kulturellen Wissenszusammenhanges, sind darum in ihrer Bezeichnungsweise nie wirklich stabil, sondern erschließen sich erst in Interaktion mit dem Zuschauerwissen. In Werbung und Medien verdichten sich Konnotationen zu ganzen Wissens- und Andeutungssystemen, zu denen Medieninhalte selbst auch wieder zählen. Insbesondere Bilder sind zum Symbolischen hin geöffnet. Galoppierende Pferde auf freier Fläche oder in die Unbegrenztheit des Raums auffliegende Vögel symbolisieren/konnotieren Freiheit, Clowns signalisieren Zirkusatmosphäre und zugleich Traurigkeit, Aale erweisen sich als Aasfresser und konnotieren Tod und Auflösung (seit der Blechtrommel, 1980, wohl auch als allgemeine kulturelle Assoziation). Insbesondere die Objektwelt ist assoziativ mit der Lebenswelt verbunden, in der sie verwendet worden ist oder wird. Die Wohnungseinrichtungen, die Bilder an den Wänden oder auch die Produkte konnotieren z.B. die Lebens- und Konsumkultur der DDR (wie jüngst in Goodbye Lenin, 2003, der das Problem selbst thematisierte). Oder Kleidung, Brille, Kopfbedeckung und Körperbild des Arbeiters in der berühmten Nazi-Gesangs-Szene im Biergarten kontrastieren ihn scharf von den Kleinbürgern seiner Umgebung (in Cabaret, 1972). Eine ähnlich exzessive Nutzung der konnotativen Qualitäten der Bilder und der abgebildeten Objekte – allerdings oft in der Nähe der freudianischen und verwandter Symboliken – betreiben die filmischen Traumdarstellungen. 

Literatur: Barthes, Roland: Rhétorique de l‘image. In: Communications 4, 1964, S. 40-51. – Metz, Christian: Der imaginäre Signifikant. Psychoanalyse und Kino. Münster: Nodus 2000; zuerst frz. 1977.
 

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Artikel zuletzt geändert am 12.10.2012


Verfasser: HJW


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