Lexikon der Filmbegriffe

Leichenräuber

engl.: body snatcher, grave robber

Der Leichenraub scheint in der Geschichte der Anatomie seine Wurzeln zu haben – aufgrund des Mangels an Leichen blieb selbst anerkannten Anatomen oft nichts anderes übrig, als sie stehlen zu lassen. In der Moritaten- und Schauerliteratur des 18. Jahrhunderts ist der Leichenraub ein eingeführtes Sujet. Noch 1884 schrieb Robert Louis Stevenson die Novelle „The Body Snatcher“, die den Burke-and-Hare-Skandal aus dem Jahre 1827/28 aufgriff und literarisch verarbeitete – zwei Mörder hatten ihre Leichen an einen Arzt verkauft. Dieser Stoff lag dem von Val Lewton produzierten Film The Body Snatcher (1945) von Robert Wise zugrunde. Boris Karloff spielte darin einen Kutscher, der einen Anatomen mit „frischen Leichen“ versorgte. Der Fall wurde mehrfach filmisch adaptiert – The Greed of William Hart (Großbritannien 1948, Oswald Mitchell), The Flesh and the Fiends (Großbritannien 1959, John Gilling) und Burke and Hare (Großbritannien 1971, Vernon Sewell). Noch The Doctor and the Devils (USA/Großbritannien 1985, Freddie Francis) führt das Leichenräuber-Motiv der Schauerromantik fort, das Dylan Thomas 1953 literarisch bearbeitet hatte. Extreme Measures (USA 1996, Michael Apted) modernisierte es und führte es an das moderne Medizindrama heran. Als moderne Variante hat sich der Organhandel herauskristallisiert (Coma, USA 1978, Michael Crichton; Auf Herz und Nieren, BRD 2001, Thomas Jahn, Til Schweiger).

Referenzen:

body snatcher


Artikel zuletzt geändert am 29.07.2011


Verfasser: HJW


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