Lexikon der Filmbegriffe

Musikclip / Musikvideo: Formen

(1) Konzeptvideos sind abstrakte Collagen aus verschiedensten Bildern, Computergraphiken u.a. Ton- und Bildelementen, deren Montage einer freien Assoziationsstilistik folgt. In ihnen werden vielfach typische Bildstereotypen der Massenkultur verwendet, die besonders das (oft auch unbewusste) Assoziationsvermögen der Zuschauer ansprechen. Als klassische Beispiele gelten Wild Boys (Duran-Duran, 1985, Russell Mulcahy), Walk of Life (Dire Straits, 1986, Stephen Johnson), Sledgehammer (Peter Gabriel, 1986, Stephen Johnson) oder Brothers in Arms (Dire Straits, 1986, Bill Mother).
(2) Narrative Musikvideos nutzen den Text des Songs als drehbuchähnliche Grundlage – der Clip hat den Charakter eines filmisch oder fotografisch vorgetragenen narrativen Kurzfilms. Die Musiker sind entweder strikt vom erzählenden Teil des Clips getrennt oder aber selbst Bestandteil und Darsteller der erzählten Geschichte. Als Beispiele gelten Predictable (Kinks, 1981, Julien Temple), Thriller (Michael Jackson, 1982, John Landis) oder Land of Confusion (Genesis, 1986, Jim Yukich, John Lloyd).
(3) Performance Videos zeigen einen Studio- oder Liveauftritt (oder auch beides). Über die gesamte Dauer des Stückes steht dabei die Band oder der Künstler im Vordergrund. Zwar steht die Aufführung des Liedes im Zentrum, doch wird die eigentliche Performance oft durch Wiederholung und Verschiedenartigkeit der Aufführungen (Life, im Studio, Proben, im privaten Raum etc.) gelockert, durch thematische mit dem Text verbundene Bildreihen ergänzt oder mittels diverser Spielereien aktueller Computertechnik optisch aufpoliert oder verfremdet. Beispiele sind Every Breath You Take (Police, 1983, Kevin Godley, Lol Creme), Rage Hard (Frankie Goes To Hollywood, 1986, David Bailey) oder Cult of Personality (Living Colours, 1986).

Literatur: Wulff, Hans J.: The Cult of Personality – Simuliert-authentische Rockvideos. In: Viva MTV. Popmusik im Fernsehen. Hrsg. v. Klaus Neumann-Braun. Frankfurt: Suhrkamp 1999, S. 262-278.


Artikel zuletzt geändert am 30.07.2011


Verfasser: DS


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