Lexikon der Filmbegriffe

Potpourri

wohl vom franz. pot pourri = Eintopf aus verschiedenen Zutaten

Begriff und Form des Potpourris stammen ursprünglich aus der Musik: ein Musikstück aus verschiedenen, durch lockere Übergänge verbundenen Melodien. Vom musikalischen Connaisseur wird „Potpourri“ meist verächtlich gebraucht als Bezeichnung einer bunten, unorganischen Zusammenstellung für das musikalisch ungebildete Volk.
Potpourri-Formen sind insofern reflexiv, als sie „das Beliebteste“, „das Altbekannte“, „das lange nicht mehr Wahrgenommene“ in gefälliger, leicht zugänglicher und komprimierter Form zugänglich machen, dabei einen permanenten Rekurs auf Geschmacks-Urteile führend. In dieser übertragenen Form finden sich Potpourris auch im Film – als Spielart des Kompilationsfilms, dessen Thema die Film- und Unterhaltungsgeschichte selbst ist. Zu seinem Formenkreis rechnen vor allem die seit den 1960er Jahren beliebten Kompilationen von Horrorszenen, von Gags, von Slapsticksequenzen, Musicalszenen etc. Dort werden die effektvollsten Szenen aus Filmen aneinandergereiht (so dass das primäre Kriterium die Rezeptionsbewegung ist). Manchmal stehen die Fundstücke unverbunden nebeneinander, manchmal wird versucht, Verbindungen herzustellen. Vor allem mit voice-over-Kommentaren wird eine thematische Linie angeboten, die das Material verbinden soll. Bemerkenswerte Regisseure des Potpourri-Films sind Robert Youngson, der in den 1950er und 1960er Jahren eine ganze Reihe von Filmen zusammengestellt hat, darunter The Golden Age of Comedy (1957), When Comedy Was King (1960) und The Big Parade of Comedy (1964), und Jack Haley, Jr., der seit den 1970ern mehrere Kompilationen von Musicalszenen herausgebracht hat (wie That‘s Entertainment, 1974, und That‘s Dancing, 1985).


Artikel zuletzt geändert am 12.10.2012


Verfasser: HJW


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