Lexikon der Filmbegriffe

Farbenklavier II

auch: Farbklavier, Farblichtklavier, Farbenorgel, Farborgel, Optophon

Das Clavilux gehört in eine Reihe ähnlicher optisch-akustischer Musik-Apparate, die kurz nach der Jahrhundertwende entstanden: Der russische Komponist Alexander Skrjabin (1871-1915) schuf mit seinem „Prometheus“ (op. 60) in den Jahren 1910/11 erstmals ein Orchesterwerk mit einem Part für ein Farbenklavier, das allerdings erst 1915 realisiert wurde und mittels einer Steuertastatur gleichzeitig zur Musik über Projektoren farbiges Licht auf eine Leinwand warf; das Stück wurde erst nach dem Tod Skrjabins 1916 in New York uraufgeführt. Skrjabin folgte innerhalb von zehn Jahren unter dem Einfluss des aufkommenden Kinos sowie der zunehmenden kulturellen Bedeutung der Inszenierung des Lichtes eine Welle von Licht-Klang-Instrumenten ohne dargestellte räumliche Tiefe wie das ‚Optophonische Klavier‘ (1917) des Russen Vladimir Baranoff-Rossiné (1888-1942). Auch im Bauhaus wurde eine Einheit von visueller und auditiver Gestaltung gesucht, so entwickelten Ludwig Hirschfeld-Mack und Kurt Schwerdtfeger ‚Reflektorische Lichtspiele‘ (1923), bei denen z.B. wechselnde Schablonen von Elementarformen durch verschiedene Lichtquellen nach Klavierklängen auf eine Leinwand projiziert wurden. 1925 fertigte der ungarische Pianist und Komponist Alexander László (1895-1970) ein Farblichtklavier (Sonchromatoskop) – ein gewöhnliches Klavier wurde dabei mit einem Lichtbildprojektor gekoppelt. Für die zur Musik parallel laufende Farbenbewegungen (Farblichtstücke) entwarf László eine neue Notierungsform, die Sonchromographie. Auch der dadaistische Dichter Raoul Hausmann (1886-1971) experimentierte mit optisch-akustischen Montageverfahren und entwickelte 1927 ein Optophon, das kaleidoskopische Bilder projizierte.
Die ersten Lichtorgeln mit elektronischer Steuerung wurden 1960 von Livinus an den Bundt und Nicolas Schöffer konstruiert, deren heutige Nachfolger computergesteuerte Keyboards mit Sensoren und farbigen Projektionslampen oder Lasertechnik sind.

Referenzen:

Clavilux

Optophonie


Artikel zuletzt geändert am 29.01.2012


Verfasser: DS


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