Lexikon der Filmbegriffe

histrionischer Stil

engl.: histrionic code bzw. style

Histrionischer Stil ist der von Roberta Pearson eingeführte, wertneutral aufzufassende Begriff für die bis etwa Anfang der 1910er Jahre dominante Darstellungsweise im Film. Die Schauspieler arbeiten dabei mit emphatischer, kodifizierter Gestik und Mimik sowie mit Elementen der Zeigepantomime, um Gefühle, Intentionen, Erlebnisse usw. zu kommunizieren. Diese Spielweise wird allmählich abgelöst vom wirklichkeitsgerichteten Stil (verisimilar code bzw. style). Die Veränderung lässt sich allerdings nicht allein diachronisch bestimmen. Abhängig vom nationalen Kontext (in Amerika setzt sie im allgemeinen früher ein als in europäischen Produktionen), von Genres (in historischen Kostümfilmen hält er sich länger als in Filmen, die in der Gegenwart spielen) und von narrativen Strukturen (bei dramatisch aufgeladenen Szenen ist er häufiger zu finden als in ruhigen Momenten) arbeiten Schauspieler noch bis zum Ende des Ersten Weltkriegs mit dem histrionischen Stil.

Literatur: Pearson, Roberta E.: Eloquent Gestures: The Transformation of Performance Style in the Griffith Biograph Films. Berkeley: University of California Press 1992.

Referenzen:

verisimilarer Stil


Artikel zuletzt geändert am 31.07.2011


Verfasser: FK


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