Lexikon der Filmbegriffe

photogénie

Der Begriff photogénie lässt sich im Französischen schon in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts nachweisen. Zunächst bezeichnet er im Bereich der Photographie die Fähigkeit bestimmter Objekte, das Licht zu reflektieren und dadurch auf einer Fotoplatte ein Bild zu erzeugen. Anfang der 1920er Jahre wird er von Filmkritikern und Regisseuren in Frankreich aufgegriffen, insbesondere von Louis Delluc und Jean Epstein. Bei Delluc bezieht er sich zunächst auf „das gewisse Etwas“, das bei der photographischen und filmischen Wiedergabe gewisser Gegenstände und Wesen zu einer „Steigerung“ ihrer Ausstrahlung führt. Epstein spricht dann von ihrer „Beseelung“ durch die Photogénie, die für ihn so zum spezifischen Element der Filmkunst wird. Vor allem die Großaufnahme, Kamerafahrten oder das Einfangen von Bewegungen sowie das Spiel von Licht und Schatten gehören zu den filmischen Verfahren, die es erlauben, eine photogene Wirkung zu erzielen. Die Theorie der Photogénie versucht, das ästhetisch Spezifische des Films im Bild selbst anzusiedeln und nicht in der Herausbildung einer vor allem auf der Montage beruhenden „Filmsprache“.

Literatur: Fahle, Oliver: Jenseits des Bildes. Poetik des französischen Films der zwanziger Jahre. Mainz: Bender 2000, S. 33-80, passim. – Kessler, Frank: Photogenie und Physiognomie. In: Geschichten der Physiognomik. Hrsg. v. Rüdiger Campe u. Manfred Schneider. Freiburg i. Br.: Rombach 1996, S.515-534; auch in: Kinoschriften, 4, 1996, S.125-136.


Artikel zuletzt geändert am 25.07.2011


Verfasser: FK


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