Lexikon der Filmbegriffe

Filmgeschichte: Attraktion und Narration

Von Beginn an steht der Film im Spannungsfeld mehrerer gegenläufiger Tendenzen: Zum allerersten stehen die Schauwerte des Kinos gegen seine erzählerischen und dramatischen Potentiale. Noch in der Frühzeit stand das Spektakuläre im Vordergrund – Überfälle und Katastrophen, Brände und Sensationen, grandiose Landschaften und luxuriöse Interieurs. Die Schauwerte dessen, was die Leinwand zu bieten hatte, steht dem Drama und den Wendungen, die die Geschichte nimmt, oft entgegen. Der Ausstattungs- oder Kolossalfilm z.B. besticht oft weniger durch das, was der Film zu erzählen hat, als vielmehr durch die Pracht und Opulenz der Requisite, durch die Aufwendigkeit der historischen Nachahmung oder auch durch die Brillanz der Tricktechnik, die Niegesehenes auf die Leinwand bringt (als Beispiel mag man jüngst an Camerons Titanic, 1997, denken).
Erst nach 1910, als die Filmmontage sich herausbildete und die Filme länger wurden, bildete sich das „Kino der Narration“ heraus, in dem ganz das epische Prinzip der durchgängigen Erzählung im Vordergrund stand. Gerade die Populärliteratur der Zeit wurde auch filmisch umgesetzt. Die drei Musketiere, die Stoffe von Scott, die verbreitete Westernliteratur: das Kino führt fort, was die Buchindustrie schon angelegt hatte – sie schaffte letztlich die Voraussetzungen für eine international operierende Kulturindustrie. 


Artikel zuletzt geändert am 02.08.2011


Verfasser: HJW


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