Lexikon der Filmbegriffe

blackface

Die Kombination [Hautfarbe]+face diente in Hollywood als Bezeichnung für weiße Akteure in Verkleidungen und Masken, die rassische oder ethnische Zugehörigkeit darstellen sollten. Neben blackface finden sich auch yellowface – die Karikierung chinesischer Minderheiten –, brownface – für Latinos – und redface – für Indianer. Whiteface ist selten und bezeichnet schwarze Darsteller, die als Weiße geschminkt sind.
Als blackface bezeichnet man weiße Schauspieler, die sich ihr Gesicht mit angekohltem Kork oder mit Schminke schwarz angemalt hatten und schwarze Rollen spielten. Ähnlich exzessiv-parodistisch wie das Spiel war auch die Maske, die nur eine Karikatur schwarzer Physiognomie darbot. Das blackface wurde 1828 von dem Schauspieler Thomas D. Rice zu dem Lied „Jump Jim Crow“ erfunden. Die Popularität der Blackface-Maske war so groß, dass sie seit den 1840er Jahren sogar von schwarzen Akteuren angelegt wurde. Bis in die 1930er Jahre war dieser Typus auf den amerikanischen Vaudeville- und später auch auf den europäischen Variété-Bühnen sehr verbreitet und steht in enger Verbindung zur Entwicklung der schwarzen Minstrel-Show. Die Blackface-Mode endete mit dem Niedergang der Vaudeville-Bühnen, als sie mit Rassismus und Bigotterie assoziiert wurde, sie findet sich aber als Black and White Minstrel Show bis in die 1970er Jahre im englischen Fernsehen.
Die Bedeutung des Blackface für die Image-Geschichte der amerikanischen Bevölkerung ist außerordentlich hoch und nahezu immer mit Tendenzen der Diskriminierung und Diffamierung verbunden. So werden die meist bösartigen Schwarzen-Rollen in Griffiths Birth of a Nation (1915) ausschließlich von weißen Akteuren in schwarzer Maske gespielt. Der bekannteste Blackface-Darsteller der Filmgeschichte ist Al Jolson, der mit seiner Rolle in The Jazz Singer (1927) den Typus weltweit bekannt machte. Zahlreiche Blackfaces finden sich im Cartoon – hier kam die Überzeichnung der Maske dem hyperbolischen Grundzug des Zeichentricks sicherlich entgegen. Ein europäisches Beispiel findet sich in Hitchcocks Young and Innocent (1937) – ausgerechnet der Mörder ist ein Musiker, der am Ende durch die Maske bis zur Unkenntlichkeit getarnt ist. Ein neueres Beispiel ist Spike Lees Film Bamboozled (2000), der die Geschichte eines schwarzen Fernsehunterhalters erzählt, der die Tradition des Blackfacing wiederzubeleben versucht und die rassistischen Echos, die er auslöst, kaum noch unter Kontrolle zu bringen vermag.

Literatur: Strausbaugh, John: Black like you: blackface, whiteface, insult & imitation in American popular culture. New York: Penguin Group 2006, S. 57-98.

Referenzen:

yellowface


Artikel zuletzt geändert am 28.07.2011


Verfasser: HJW


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