Lexikon der Filmbegriffe

kognitive Dissonanz

Leon Festinger gilt als Begründer der Forschungen zur kognitiven Dissonanz: Dabei wird davon ausgegangen, dass Menschen danach streben, ihre Einstellungen und ihr Denken in eine harmonische Gleichgewichtslage zu bringen. Störungen werden als unangenehm empfunden und deshalb nach Möglichkeit vermieden, was aber nicht immer gelingt. Insbesondere lassen sich immer wieder Nichtübereinstimmungen zwischen Wissen und Praxis beobachten (man kann wissen, dass Rauchen schädlich ist, und dennoch rauchen). Für die Wirkungsforschung ist das Dissonanzphänomen von erheblicher Bedeutung: Auch dann, wenn eine Botschaft in sich bei der Rezeption Zustimmung aktiviert, kommt es nicht notwendig zu einer weiteren Veränderung des handlungsrelevanten Wissens oder weltbezogener Einstellungen. Beachtung verdient auch die Tatsache, dass der gleiche Gegenstand mit verschiedenen oder verschiedenzeitigen Wissensmodellen gewusst werden kann: Man kann also sowohl das Modell des „edlen Wilden“, des „wilden Wilden“, verschiedene Vorstellungen über die Dritte Welt, ökonomische oder ökologische Bedingungen usw. besitzen, ohne dass es zu einem Abgleich oder zu einer Homogenisierung dieser Konzeptionen kommen müsste.

Literatur: Festinger, Leon: A theory of cognitive dissonance. Stanford: Stanford University Press 1957. Dt.: Theorie der kognitiven Dissonanz. Bern [...]: Huber 1978. – Hackforth, Joseph: Massenmedien und ihre Wirkungen. Kommunikationspolitische Konsequenzen für den publizistischen Wandel. Literaturexpertise – Bibliographie. Göttingen: Schwartz 1976, S. 22-46. – Schubert, Susanne: Die Kürzestgeschichte: Struktur und Wirkung. Annäherung an die Short Short Story unter dissonanztheoretischen Gesichtspunkten. Frankfurt: Lang 1997.

Referenzen:

guilty pleasure


Artikel zuletzt geändert am 15.06.2016


Verfasser: HJW


Zurück