Lexikon der Filmbegriffe

Landleben

engl.: rustic drama, rural drama

So, wie sich der elementare Widerspruch zwischen Stadt und Land als Wert-Gegensatz ausgebildet hat, gibt es eine ganze Reihe von Filmen, die das Landleben als besondere Lebensform behandeln und gegen die Urbanisierungstendenzen der äußeren Realität setzen. Die Position, von der aus die Darstellung erfolgt, ist von Fall zu Fall unterschiedlich. Es fällt auf, dass viele das Landleben nostalgisch als Ort der Kindheit, als Sphäre einer verlorenen Naivität oder schlicht als Umgebung eines unschuldigen Glücks ausmalen. Häufig wird eine autobiographische Perspektive gewählt. Darüber hinaus eröffnet sich ein übersichtliches politisches Spektrum. Die meisten der Filme feiern das Rustikale als das Traditionellere, Ursprünglichere, Natürlichere, beziehen gelegentlich sehr scharfe konservative und zivilisationskritische Positionen; dazu rechnen amerikanische Filme wie Come Next Spring (1956), All Creatures Great and Small (1974), Heartland (1979) and Places in the Heart (1984). Andere sind eher analytisch auf die Einflüsse konzentriert, die das Landleben und seine Konditionen substantiell verändern; dazu rechnet Der Er et yndigt Land (Dänemark 1982, Morten Arnfred), der die psychosozialen Folgen der Industrialisierung der Landwirtschaft untersucht, oder der österreichische Die Siebtelbauern (1998, Stefan Ruzowitzky), in dem es um das Kastendenken der Bauern im österreichischen Mühlviertel geht; Heimat (1981-84) von Edgar Reitz schildert die Geschichte eines Hunsrück-Dorfes von 1919 bis zur Gegenwart, Lebenszeit und Zeitgeschichte miteinander vermittelnd und einander überlagernd. Wiederum andere Filmespinnen die epische Tradition des Bauernromans fort und erzählen Familiengeschichten um Ehre, Erbschaft, Macht, Kontrolle und Auflehnung (wie die belgisch-niederländische Produktion De Flaschaard, 1983, Jan Gruyaert, Jacques Beckers Bauernfilm Groupi, Mains rouges, 1943, oder auch der deutsche Heimatfilm Via Mala, 1945, Remake: 1961). Erwähnt seien schließlich Dokumentarfilme zum Thema wie Jacques Rouquiers Doppelfilm Farrebique (1944-46) und Biquefarre (1983), der das Leben zweier Bauernfamilien über Jahreszeiten und Jahrzehnte hinweg beschreibt.

Literatur: Auzel, Dominique: Georges Rouquier. De Farrebique à Biquefarre. Paris: Cahiers du Cinéma 2002. – Fowler, Catherine / Helfield, Gillian (eds.): Representing the rural. Space, place, and identity in films about the land. Detroit: Wayne State University Press 2006.

Referenzen:

bäuerliches Leben

Heimatfilm


Artikel zuletzt geändert am 24.01.2012


Verfasser: HJW


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