Lexikon der Filmbegriffe

Leitbild

Das Leitbildkonzept entstammt der Individualpsychologie Alfred Adlers. Man versteht darunter das konkrete Vorbild, das ein Subjekt in seinem individuellen Erleben, Handeln und Gestalten hat. Leitbilder setzen Maßstäbe für Erwartungen und Verhaltensweisen, bilden leitende Vorstellungen für das Erstrebenswerte (Lebensstil, Habitus etc.) und das Wertvolle (soziale und moralische Werte). Im Kino ist das Leitbildkonzept als ideengeschichtliches Modell für dominierende historische Werthaltungen genutzt worden, basierend auf der Annahme, dass Identifikation und Empathie tendenziell unkontrollierte Elementarprozesse der Aneignung des jeweiligen Films bildeten und zwischen dem zeitgenössischen Meinungsklima und individuellen Haltungen und Einstellungen vermittelten. In der älteren Wirkungsforschung genoss das Konzept gewisse Prominenz, ging man doch davon aus, dass Medienfiguren – Schauspieler, öffentliche Figuren, Moderatoren etc. – Leitbildcharakter haben könnten und auf dieser Linie ein Lernprozess die Rezeption begleitete, der tiefgreifende Einflüsse auf das Individuum ausübte. Gerade die konservative Medienpädagogik hat das Modell als Schlüssel zur Kritik von Gewaltdarstellungen genutzt.

Literatur: Glogauer, Werner: Vorbilderleben und Leitbilderfahrung im Film. Diss. München 1958. – Horvath, Dora: Bitte recht weiblich! Frauenleitbilder in der deutschen Zeitschrift "Brigitte" 1949-1982. Zürich: Chronos 2000. – Lange, Gabriele: Das Kino als moralische Anstalt. Soziale Leitbilder und die Darstellung gesellschaftlicher Realität im Spielfilm des Dritten Reiches. Frankfurt [...]: Lang 1994.


Artikel zuletzt geändert am 29.07.2011


Verfasser: HJW


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