Lexikon der Filmbegriffe

fotografisches Gewehr

frz. fusil photographique; engl.: gun camera, manchmal irreführenderweise auch: machine-gun camera

Schon 1878 hatte der französische Physiker und Physiologe Etienne-Jules Marey (1830-1904) in einem Brief an Muybridge eine Kamera vorgeschlagen, die wie ein Gewehr konstruiert war und die es gestatten sollte, Vögel während des Fluges aufzunehmen. 1881-82 konstruierte er eine derartige Kamera, die auf Ideen des mit Marey befreundeten Astronomen Pierre-César Jules Janssen zurückging. Sie bestand im Wesentlichen aus einer zylindrischen Kammer, in der eine lichtempfindliche Glasplatte rotierte. Vor ihr rotierte in gleicher Geschwindigkeit eine Scheibe mit 12 Öffnungen, die zusammen mit der Glasplatte 12mal pro Sekunde vor dem Verschluss angehalten wurde und durch die hindurch in 1/720stel Sekunde die Belichtung erfolgte. In dieser Art war es möglich, den Flügelschlag von Vögeln fotografisch zu dokumentieren – eine Möwe hat drei Flügelschläge pro Sekunde. Marey fotografierte später auch andere Tiere und gehende Menschen (allerdings sind keine Aufnahmen davon erhalten geblieben), benutzte die Kamera aber nur kurze Zeit, weil die Aufnahmen aus zu großer Entfernung erfolgen mussten. Für die Betrachtung können die Einzelbilder mit einem Phenakistiskop wieder synthetisiert werden.

Literatur: Braun, Marta: Picturing time: The work of Etienne-Jules Marey. Chicago, Ill.: University of Chicago Press 1994.

Referenzen:

Chronophotographie Gaumont-Demeny

Chronophotographie I

Chronophotographie II: Marey


Artikel zuletzt geändert am 29.01.2012


Verfasser: DK JH


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