Lexikon der Filmbegriffe

Filmkritik

Die Filmkritik wird meist von der Filmbesprechung unterschieden, die als Serviceleistung für den Kinobesucher dient und meist neben einer Inhaltswiedergabe eine wertende Empfehlung enthält. Der Filmkritik dagegen geht es dagegen darum, den Film in ästhetische, technische, ökonomische, soziologische oder philosophische Rahmen zu stellen und mittels des Films einen Diskurs um tiefenideologische und ästhetische Bedeutungen zu eröffnen.
Erste kritische Arbeiten zum Film beginnen um 1910 in Deutschland zu erscheinen. Sie sind an der etablierten Theaterkritik orientiert. Schon früh begannen sich die Interessen zu differenzieren, die Filmkritik zugrunde liegen: Trat Kracauer für eine soziologisch orientierte Ideologiekritik des Films ein, die in den ästhetischen Strukturen der Werke verborgene Kollektivvorstellungen nachzuweisen sucht, konzentrierten sich Arnheim und Balázs auf die ästhetischen Qualitäten des Films. Nach der Nazizeit, in der die Filmkritik faktisch nicht existierte, formierte sich erst 1957 um die Zeitschrift Filmkritik eine neue Kritik des Films, die an die sozialpsychologischen und ideologiekritischen Postulate der Frankfurter Schule angelehnt war, die aber zugleich auf die Positionen der Kritiker der Cahiers du Cinéma zurückgriff. Stand bis hier die Vorstellung „Film als Kunst“ im Vordergrund und lag so auch der berühmten Filmgeschichte von Gregor und Patalas zugrunde, entbrannte 1966 ein fundamentaler Streit zwischen den Kritikern, die Filmkritik als Ideologiekritik betreiben wollten, und denen, die ästhetische Strukturen selbst als politische Strategien ansahen. Neben diese beiden Positionen trat Ende der 1970er Jahre eine neue, manchmal als „Sensibilismus“ bezeichnete Richtung, die Filmkritik als literarische Gattung ansah und den Filmkritiker in den Rang des Autoren erhob und das hohe literarische und publizistische Ansehen von Autoren wie André Bazin, Karsten Witte oder Pauline Kael zum eigenen Programm erhob.
Heute ist die kulturpolitische Bedeutung der Filmkritik zurückgegangen, was darauf zurückzuführen ist, dass die Rolle des Films (wie auch anderer Künste) als Seismograph ideologischer Bewegungen als nicht mehr zentral angesehen wird. Die Filmbesprechung dagegen ist unverändert populär und dient nach wie vor dazu, Filme zu bewerben und sie mit ihrem besonderen Publikum bekannt zu machen. Die Differenzierung der Geschmackskulturen führt zu einer Nivellierung der Filmpublizistik. 

Literatur: Ernst, Gustav / Haberl, Georg / Schlemmer, Gottfried (Hrsg.): Film, Kritik, Schreiben. Wien: Europa Vlg. 1993. – Grob, Norbert / Prümm, Karl (Hrsg.): Die Macht der Filmkritik. Positionen und Kontroversen. München: Edition Text & Kritik 1990. – Schenk, Irmbert (Hrsg.): Filmkritik. Bestandsaufnahmen und Perspektiven. Marburg: Schüren 1998. – Schmid, Ulrich Thomas: Theorie und Selbstverständnis der neueren deutschen Filmkritik. Diss. Münster 1995.
 

Referenzen:

FIPRESCI

Junket

Verband der deutschen Filmkritik


Artikel zuletzt geändert am 19.10.2012


Verfasser: HJW


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