Lexikon der Filmbegriffe

Warner Bros. I: vor 1950

1903 eröffneten die gerade zwanzigjährigen Harry und Albert Warner ein Wanderkino. Zusammen mit den jüngeren Warner-Brüdern Jack und Samuel betrieben sie Kinos in Pennsylvania, begannen Filme zu verleihen (1912: Warner Features Company) und zu produzieren (ab 1919), öffneten schließlich ein kleines Studio in Hollywood. Erfolgreiche Serien wie Rin-Tin-Tin, leichte Komödien, die ersten amerikanischen Filme von Ernst Lubitsch sowie einige Filme mit John Barrymore machten es möglich, die Firma 1923 in eine Aktiengesellschaft umzuwandeln. Harry Warner wurde ihr Präsident, Albert leitete die Verleihabteilung, Jack wurde zum Studiochef. Samuel starb 1927, er erlebte den Übergang zum Tonfilm, dessen Entwicklung er maßgeblich mitinitiiert hatte, nur noch in den Anfängen – er starb 24 Stunden vor der ersten öffentlichen Aufführung eines Ton-Langfilms. Die Vitagraph wurde 1925 aufgekauft. Durch das frühe Engagement im Radio kamen Kontakte zur Western Electric und ihr Tonverfahren Vitaphone zustande, die 1926 mit einem Exklusivvertrag besiegelt wurden. Ende des Jahres waren 100 Kinos mit dem Wiedergabeverfahren ausgestattet, Warner konnte in vier Ton-Studios produzieren. The Jazz Singer wurde im nächsten Jahr ein Welterfolg, konsolidierte die Firma. Man kaufte schon 1928 die mehr als 300 Kinos der Stanley Company of America und erweiterte die Kinokette stetig, stieg so in die Liste der Majors auf. Einige andere Produktionsfirmen (unter ihnen die First National) gingen in Warner Bros. auf.
Zeitbezogenes Genrekino wurde zum Markenzeichen des Studios. Darryl F. Zanuck, der 1923 als Autor bei Warner angefangen hatte, produzierte eine Reihe von straff inszenierten Gangsterfilmen (Little Caesar, 1930, Public Enemy, 1931), bevor er das Studio 1933 verließ. Stilistisch ähnlich waren diverse Filmen, die sich mit der sozialen Realität der Zeit auseinandersetzten (I‘m a Fugitive from a Chain Gang, 1932, Wild Boys of the Road, 1933). Es entstand das Genre des Biopic (The Story of Louis Pasteur, 1936). Die Busby-Berkeley-Musicals 42nd Street (1933) oder Golddiggers of 1933 (1933) setzen eine eigene stilistische Marke und leiteten die lange Popularität des Filmmusicals ein. Warner hatte Stars wie Humphrey Bogart, Edward G. Robinson, Bette Davis, Errol Flynn, James Cagney, Joan Crawford und Olivia de Havilland sowie Regie-Routiniers wie Michael Curtiz, Raoul Walsh, Mervyn LeRoy und Lloyd Bacon unter Vertrag. Warner engagierte sich für die Politik des New Deal, war entschieden am Hollywood-Propaganda-Krieg beteiligt, wobei man sogar Partei für den Kommunismus ergriff (wie in Mission to Moscow, 1943) – was Jack Warner in den 1950er Jahren die Kontrolle über das Studio kostete. Größte Bedeutung hatte Warner für die Entwicklung des Cartoons – keines der anderen großen Studios hatte eine so kreative und produktive Zeichentrickabteilung, in der z.B. Tex Avery arbeitete und der u.a. die Figur des Bugs Bunny entstammt.

Literatur: Inside Warner Bro[ther]s: (1935 - 1951). Sel., ed. and annot. by Rudy Behlmer. New York: Viking 1985. – Freedland, Michael: The Warner Brothers. New York: St. Martin's Press 1983. – Roddick, Nick: A new deal in entertainment. Warner Brothers in the 1930s. London: British Film Institute 1983. – Hollywood be thy name – the Warner Brothers story. [By] Cass Warner Sperking and Cork Millner with Jack Warner, Jr. Lexington, Ky.: University Press of Kentucky [1994]. – Warner, Jack L. / Jennings, Dean: My first hundred years in Hollywood. New York: Random House 1965.


Artikel zuletzt geändert am 18.07.2011


Verfasser: JH


Zurück