Lexikon der Filmbegriffe

Filmtheorie

Filmtheorie gliedert sich in eine ganze Reihe von Teilgebieten:

Die Medientheorie des Films untersucht die materiellen und wahrnehmungspsychologischen Grundlagen der Kommunikation mittels Film. Dabei werden meist die „Kommunikationskanäle“ isoliert, die der Film integriert: Bild, geschriebene Sprache, Sprache, Musik und Sound und Geräusch.
Aufgabe der semiotischen Analyse ist es, den Film als ein besonderes Kommunikations-, Symbol- und Darstellungssystem zu bestimmen und ihn von anderen Künsten und Symbolsystemen abzugrenzen. Seine Darstellungs- und Formpotentiale werden sowohl in einer Bildtheorie ausgelotet wie aber auch in der Untersuchung der textuellen Strukturen.
Die Theorie der filmischen Verfahrensweisen lässt sich in drei Teilaspekten fassen: Möglichkeiten der Inszenierung der Realität vor der Kamera (Mise-en-Scène, Licht, Schauspielführung, Ausstattung etc.); fotografische Abbildung (Wahl von Kamerastandort, Einstellungsgröße, Perspektive, Tiefenschärfe, Wahl des Objektivs, Kamerabewegungen); Strategien der filmischen Bedeutungsproduktion über das photographische Verhältnis hinaus (Metapher und Metonymie, Montage etc.).
Die Dramaturgie des Films untersucht die Elemente und Leitgesichtspunkte, die Handlungsaufbau und -führung steuern, im Hinblick auf die beabsichtigten Wirkungen beim Zuschauer. Dazu zählen insbesondere die Figurenkonstellation und die darin angelegten Konflikte, Beziehungen und Charakterisierungen von Prot- und Antagonist, Spannungserzeugung und -auflösung, Umgang mit dramatischer und rhythmischer Beschleunigung usw.
Die Gattungstheorie des Films untersucht Arten und Formen des Films bzw. Grundformen des filmischen Aussagens wie Spielfilm, Dokumentarfilm, Experimentalfilm, Essayfilm, Lehrfilm, Werbefilm etc. Die nahe verwandte Genretheorie unterscheidet Gruppen von Filmen, die stoffliche, dramaturgische, thematische oder stilistische Gemeinsamkeiten aufweisen (Western und Musical, Abenteuer-, Horror- und Kriminalfilm, Thriller und Melodram etc.).
Die soziologisch orientierte Filmtheorie stellt den Film in den Rahmen gesellschaftlicher und kultureller Praxis. Dabei wird ein umfassender systemischer Rahmen aufgerichtet, durch den Film und Fernsehen in die symbolische Konstitution moderner Gesellschaften eingelassen sind (Ideologie, Mythenbildung, pädagogische oder moralische Agentur). Eine andere, empirisch orientierte Richtung untersucht Nutzungsformen von Film und Fernsehen wie z.B. in Fankulturen, im Umgang mit Idolen oder in kollektiven Zuwendungsformen.
Die psychologisch fundierte Filmtheorie untersucht die kognitiven, emotionalen und ästhetischen Wirkungen des Films auf seine Rezipienten und die psychologischen Grundlagen des Verstehens von Film. (HJW)

Literatur: Agel, Henri (1957) Esthétique du cinéma. Paris: P.U.F. – Andrew, Dudley (1976) The Major Film Theories. An Introduction. London/Oxford/New York: Oxford University Press. – Andrew, Dudley (1984) Concepts in Film Theory. Oxford [...]: Oxford University Press. – Aristarco, Guido (1951) Storia delle teoriche del film. Torino: Einaudi. (Erw. Neuausg. 1963.) – Lapsley, Robert / Westlake, Michael (1988) Film Theory: An Introduction. Manchester/New York: Manchester University Press (Images of Culture.). – Tudor, Andrew (1974) Theories of Film. London: Secker and Warburg in association with The British Film Institute. [Dt. unter d. Titel: Filmtheorien. Frankfurt: Filmuseum 1977.] – Wuss, Peter (1990) Kunstwert des Films und Massencharakter des Mediums. Konspekte zur Geschichte der Theorie des Spielfilms. Berlin: Henschel Verlag.


Artikel zuletzt geändert am 12.10.2012


Verfasser: HJW


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