Lexikon der Filmbegriffe

Rembrandt-Licht

Spielart der Chiaroscuro-Beleuchtung und des Low Key. Benannt nach dem Maler Rembrandt (1606; nach neuesten Forschungen 1607-1669), der dem Studium natürlichen Lichteinfalls große Aufmerksamkeit gewidmet hatte und der in seinen Gemälden und Graphiken häufig Einzelheiten durch starken Lichteinfall vom umgebenden Dunkel absetzte und damit heraushob. Zum Ausgang des 19. Jahrhunderts war die Rembrandt-Renaissance voll im Gange – sowohl bei modernen wie bei tradionalistischen Malern. Das Stilprinzip wurde auch in der Fotografie adaptiert. Dort wurde Rembrandtlicht die ganze piktorialistische Phase hindurch (1870-1920) zum Zweck der Nobilitierung verwendet. Von hier aus wandert es in den frühen 1920er Jahren in den Film, unterstützt durch die Entwicklung leistungsstarker, elektrifizierter Bogenlampen, mittels derer – etwa durch den Einsatz von Hinterlichtern – die Personen im Bild von ihrer Umgebung separiert werden konnten.
Rembrandt-Licht wird bis heute bei der Ausleuchtung von Filmsets eingesetzt, damit man bestimmte Details besser oder auch schlechter sieht. Durch diese Akzentuierung kann ein Bildobjekt ausdrucksstärker und eine Situation dramatischer erscheinen. Rembrandt-Licht im Film ist eine stark selektive Beleuchtung mit Flächen im Halb- oder Volldunkel, scharf (hart) voneinander abgesetzten Flächen (Schatten), die durch direkte Spotleuchten mit Toren erzeugt werden. Das Licht ist von mindestens einer starken dominierenden Lichtquelle hergeleitet - die nur im Off lokalisierbaren Scheinwerfer des Lichtarrangements stehen dabei sehr nah außerhalb des Bildrahmens, so dass die Härte des Schattenfalls immer motiviert erscheint.

Literatur: Schöne, Wolfgang: Über das Licht in der Malerei. Berlin: Gebr. Mann 1954; zahlr. Neuauflagen. – Strauss, Ernst: Koloritgeschichtliche Untersuchungen zur Malerei seit Giotto. München/Berlin: Deutscher Kunstverlag 1972; repr. 1983.


Artikel zuletzt geändert am 12.10.2012


Verfasser: WS KJ TM


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