Lexikon der Filmbegriffe

Filmwissenschaft

Das Phänomen der wissenschaftlichen Beschäftigung mit dem Film bewegt sich zwischen zwei Polen der Interdisziplinarität: Zum einen kann der Film zu den Forschungsgegenständen verschiedener Disziplinen wie der Soziologie, der Psychologie, der Pädagogik usw. zählen; zum anderen bilden sich im engeren disziplinären Arbeitsfeld der Filmwissenschaft Fragen heraus, zu deren Behandlung die Filmtheorie auf Erkenntnisse und Methoden unterschiedlichster Bezugs- und Nachbarwissenschaften zurückgreift.
Eine erste große Gruppe von Arbeiten entstammt eigentlich soziologischen und pädagogischen Interessen (wie z.B. Emilie Altenlohs Dissertation „Zur Soziologie des Kinos“, 1914). Der zweite wichtige Impuls, der schließlich in eine eigenständige Filmwissenschaft mündete, entstammte der Psychologie (z.B. Hugo Münsterbergs Studie „The Photoplay. A Psychological Study“, 1916). Der dritte Impuls entstammt den Arbeiten, die aus der praktischen Auseinandersetzung mit dem Material des Films und seinen signifikativen Möglichkeiten selbst entspringen – die Schriften Eisensteins, Wertows, Pudowkins insbesondere seien hier genannt.
Ein wichtiges Anzeichen für die Verwissenschaftlichung der Filmtheorie in den 1960er Jahren ist die Verschiebung in der Fragestellung: Die Theorie begleitet nicht mehr in erster Linie die künstlerische Praxis, sondern richtet ihre Aufmerksamkeit auf den Zuschauer sowie die formalen Strukturen, die den Film auszeichnen.
Seit den 1980er Jahren bilden sich zwei große Strömungen in der Zuschauertheorie heraus: Die semio-pragmatische Analyse des Einflusses kontextueller Bedingungen auf die Art und Weise, wie ein Text gelesen wird (Roger Odin, Francesco Casetti, Hans J. Wulff), sowie die Untersuchung von Verstehensprozessen mit Hilfe von Erkenntnissen der kognitiven Psychologie (David Bordwell, Edward Branigan, Michel Colin, Peter Ohler, Peter Wuss). 
 

Referenzen:

cinematology

Filmkunde


Artikel zuletzt geändert am 25.06.2012


Verfasser: HJW


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