Lexikon der Filmbegriffe

Docu-Soap

auch: Doku-Soap, dokumentarische Serie

Das TV-Format der Docu-Soap wurde Mitte der 1990er Jahre in Großbritannien von der BBC entwickelt, hatte allerdings eine ganze Reihe von Vorläufern (wie die MTV-Reihe The Real Life, 1992ff, oder ihre Premiere-Nachahmung Das wahre Leben, 1994). Man versteht darunter dokumentarische Mehrteiler, die sich strukturell und dramaturgisch an der Soap Opera orientieren. Meist erzählen sie von Gruppen von Protagonisten, deren Geschichten parallel vorgestellt werden. Die oft ironischen Docu-Soaps wurden euphorisch angenommen, erzielten sensationelle Einschaltquoten. 1998 liefen im englischen Fernsehen 75 Reihen. In der BRD versuchten öffentlich-rechtliche ebenso wie privatwirtschaftliche Sender, das Format zu adaptieren (Reeperbahn, Fahrschule, Der wahre Kir Royal, Geburtsstation, Airport, Abnehmen in Essen, Die Helden von Eisenheim). Auf der Grenze zwischen Soap und Reality-TV entstanden auch Reihen wie die WDR-Produktion Die Fussbroichs (1990ff), deren Protagonisten die Sendung schnell als Bühne für ihre Selbstdarstellungen zu funktionalisieren wussten. Docu-Soaps sind möglich geworden durch den Einsatz der kleinen Mini-Kameras und Mini-Discs (für Tonaufnahmen), so dass auf größere Aufnahmeteams verzichtet werden kann. Aber auch durch die Entwicklung von Darstellungsformen für Gegenstände des Privaten, wie sie in Talk-Shows und im Reality-TV vorliegen, tragen zur Gattung bei, die das dokumentarische Arbeiten und seine Zielvorstellungen stark verändert hat. 


Artikel zuletzt geändert am 13.10.2012


Verfasser: JH


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