Lexikon der Filmbegriffe

Kurbler

von der Tätigkeit des „Kurbelns“ = der mechanischen Bewegung der Filmkamera und des -projektors mittels einer Kurbel

In der Amateurfilmdebatte der 1920er Jahre wurde der Kurbler gegen den „ernsten Filmamateur“, den „Idealisten“ und den „Semi-Profi“ abgesetzt: Er war derjenige, der sich ohne künstlerische Interessen des Amateurfilms ausschließlich zu Zwecken des Vergnügens und der Familien- oder Firmendokumentation bediente. Zwar kam dem Kurbler das „Prinzip Kodak“ – das sich in dem berühmten Werbeslogan „Sie drücken den Knopf und wir tun den Rest“ kondensierte – entgegen, das die technischen Entscheidungen am Gerät maßgeblich erleichterte oder sie sogar erübrigte, doch galt er in der Ansicht der ambitionierten Schmalfilmer als künstlerisch ungebildeter Gelegenheitsfilmer, eine Haltung, die abgelehnt wurde. Die Unterscheidung zwischen Kurblern und anderen Filmamateuren gehört zu einem Bemühen, die technische Amateurbildnerei unter einem leitenden Kunstanspruch zu nobilitieren. Sie findet sich vorbildhaft auch in der Amateurfotografie, in der sich schon um 1880 der Amateur-Typus des „Liebhabers“ vom „Knipser“ gelöst hatte.

Literatur: Roepke, Martina: Privat-Vorstellung: Deutsches Heimkino vor 1945. Diss. Hildesheim 2003, Kap. 2.


Artikel zuletzt geändert am 31.07.2011


Verfasser: HJW


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