Lexikon der Filmbegriffe

Rembrandt im Film

Von Rembrandt van Rijn (1606/07-1669) stammt u.a. die bedeutendste Serie von Selbstbildnissen in der Kunstgeschichte. Dagegen ist aus dem Leben des Malers wenig überliefert. Die bekannten Fakten klingen dramatisch: Tod der ersten Frau auf der Höhe des Ruhms, Verstrickungen mit der Amme des Sohnes, ein kompletter Bankrott, Tod der zweiten Frau und mehrerer Kleinkinder, schließlich des erwachsenen Sohnes im vorletzten Lebensjahr des Malers. Rembrandt scheint all dies mit protestantischem Langmut ertragen zu haben. Stetig verbesserte er seine Malerei. Biographen, Kunsthistoriker und Biopics nehmen diese Vita des Malers zum Ausgang, um mit ihrer Hilfe das Werk zu erklären – eine Verschleifung, die zu problematisieren ist. Die Verfilmungen setzen 1906 ein und fokussieren zuerst das Problem des unverstandenen Genies (Die Tragödie eines Großen, Deutschland 1920, A. Günzburg; Rembrandt, Großbritannien 1934, Alexander Korda). Die zweite Jahrhunderthälfte sieht ein experimentelleres Herangehen an den Stoff. Herausragende Resultate: Rembrandt, Painter of Man (Bert Haanstra, Niederlande 1957), Rembrandt fecit 1669 (Jos Stelling, Niederlande 1977) und Charles Mattons Rembrandt (Frankreich/Deutschland/Niederlande 1999). Besonderes Interesse verdient Ewiger Rembrandt von Hans Steinhoff (aka: Rembrandt, Deutschland, Terra 1942), weniger wegen seiner (offensichtlichen) großdeutschen Ambitionen als für die Arbeit mit Licht (Kamera: Richard Angst). Vom Extremfall dieses Films ausgehend, wäre eine Untersuchung des expressiven Gestus zu durchzuführen, die sich nicht auf das Rembrandtlicht zu beschränken hätte. Offene Fragen wären die „feine“ und die „raue Manier“ des Malers, sein psychologisches Erzählen und vieles mehr. Der Korpus des historischen Werkes wird zusammengestellt vom „Rembrandt Research Project“.

Literatur: Wittkower, Margret / Wittkower, Rudolf: Künstler. Außenseiter der Gesellschaft. Stuttgart 1989. – Walker, John A.: Art and Artists on Screen. Manchester: Manchester University Press 1993.


Artikel zuletzt geändert am 24.07.2011


Verfasser: TM


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