Lexikon der Filmbegriffe

Penny-Arkaden

engl.: penny arcades; scherzhaft: electric vaudeville, open-front parlors with machines

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts in den USA gebräuchlicher Name für Unterhaltungszentren, die verschiedenste Unterhaltungs-Anbieter – Schießhallen, Spielsalons, Tanzlokale, Süßwarenstände, aber auch Arbeitsvermittlungen – in kleinen Ladenlokalen unter einem gemeinsamen Dach vereinigten. 1894 eröffnete das erste „Kinetoscope Parlor“ in Manhatten; es handelte sich dabei um einen Saal, in dem Edisonsche Kinetoskopen standen. Daraufhin breiteten sich Kinetoskop-Peepshow-Automaten schnell im ganzen Lande aus, oft verbunden mit Stereoskopen und Mutoskopen, aber auch mit Kraftmessgeräten, Lungentestern, manchmal wohl auch Röntgen-Apparaten. Die Filme, die in den Penny-Arkaden liefen, gehörten meist dem Genre der Aktualitäten-Filme an - Naturaufnahmen, Eisenbahn- und Straßenszenen, Kurzkomödien, kurze Varieté-Nummern, aktuelle Ereignisse und Sport-, vor allem Boxfilme.
In einigen Fällen nimmt die Erfolgsgeschichte großer Firmen in den Penny-Arkaden ihren Ausgang: Marcus Loew und David Warfield gründeten 1903 die Automatic Vaudeville Company an der 14. Straße in New York. Schnell bauten sie neue Penny-Arkaden in Boston, Philadelphia und Newark. 1905 bezog Loew seine eigene Arkade an der 23. Straße, nachdem er mit Warfield die People's Vaudeville Company gegründet hatte. Zu seinen Tochterunternehmen gehörte das Penny Hippodrome in Cincinnati, aus dem bald ein Kino wurde – eines der ersten „Nickelodeons“, in dem man für ein Zehn-Cent-Stück eine Kino-Vaudeville-Show geboten bekam. Am Ende (1924) ging die Loewsche Kinokette in MGM auf.


Artikel zuletzt geändert am 25.07.2011


Verfasser: JH


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