Lexikon der Filmbegriffe

Transtextualität

Gérard Genette unterscheidet fünf verschiedene Textbeziehungen, die er als „transtextuelle Beziehungen“ charakterisiert: (1) Die intertextuelle Beziehung im engeren Sinne als Beziehung von genau zwei Texten hat drei Erscheinungsformen – das erkennbare Zitat, das nicht deklarierte Plagiat und die Anspielung, die eine fragmentarische, nicht deklarierte Entlehnung ist, die der Rezipient nur erkennt und versteht, wenn ihm der Bezugstext bekannt ist; ansonsten wird sie überlesen oder kann nur vermutet werden. (2) Der Paratext bildet einen Kommentar zum eigentlichen Text, indem er ihm Informationen hinzufügt, die die Lektüre steuern können. (3) Der Metatext – wie z.B. eine Filmkritik oder -analyse – kommentiert den ersten Text. (4) Der Hypertext transformiert einen vorliegenden Text vollständig (wie z.B. O Brother Where Art Thou?, 2000, eine Anverwandlung der Homerischen Odyssee ist). (5) Als Architextualitätschließlich beschreibt er die Beziehungen eines Textes zu seiner Gattung oder seinem Genre, inwieweit Genrekonventionen eingelöst, ironisiert oder gebrochen werden. In diesem Sinne werden viele Untersuchungen von Motivreihen oder Stoffgeschichten heute als Intertextualitätsuntersuchungen ausgegeben.

Literatur: Genette, Gérard: Einführung in den Architext. Stuttgart: Legueil 1990. – Ds.: Paratexte. Das Buch vom Beiwerk des Buches. Frankfurt: Campus 1992; repr. Frankfurt: Suhrkamp 2001. – Ds.: Palimpseste. Die Literatur auf zweiter Stufe. Frankfurt: Suhrkamp 1993.

Referenzen:

Ikonotext

Intertextualität

Retro-Look


Artikel zuletzt geändert am 05.02.2012


Verfasser: HJW


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