Lexikon der Filmbegriffe

Filmophanie

Der französische Filmphilosoph Etienne Souriau verstand unter film filmophanique oder auch film écranique den Film als Objekt der Rezeption während der Zeit, in der er projiziert wird. Ähnlich, wie in der Semiologie zwischen dem Zeichen als physikalischem und semiotischem Objekt unterschieden wird, deutet die „filmophanische Schicht“ des Films an, dass der Film auch eine psycho-physikalische Erscheinung ist. Bei aller Strukturiertheit eines Films gelangt er erst im Augenblick der Projektion physikalisch in jene Erscheinungsform, die ihn für die Rezeption erschließt. Erst hier wird der Film als Ereignisgestalt greifbar. Zuallererst ist der Film darum Gegenstand der Wahrnehmungspsychologie, weil sich Rezeption auf diese minimalste Schwelle immer rückberufen muss. Der filmophanischen Erscheinung des Films auf der Leinwand steht nun – Souriau folgend – die erzählte Welt (Diegese) des Films gegenüber, die von der Erscheinungsform des Films gelöst werden und eigenständig bestehen bleiben kann. Insgesamt gliedert Souriau den filmischen Gegenstand in sieben verschiedene Schichten auf, die jeweils eigene semiotische und ontologische Charakteristiken haben und verschiedene Problemkreise der Analyse eröffnen. 

Literatur: Souriau, Etienne: Die Struktur des filmischen Universums und das Vokabular der Filmologie. In: Montage / AV 6,2, 1997, S. 140-157. Zuerst frz. 1951.


Artikel zuletzt geändert am 02.08.2011


Verfasser: HJW


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