Lexikon der Filmbegriffe

Ironie

Ironie ist aus dem griechischen eironeia abgeleitet und heißt so viel wie „Verstellung, Scheinheiligkeit, schalkhafter Spott, Vorwand“: Man sagt etwas, aber man meint es nicht wörtlich, sondern uneigentlich, vielleicht bis ins Gegenteil dessen getrieben, was eigentlich ausgesagt werden sollte. Und: ironisches Sprechen gelingt nur, wenn der Angesprochene erschließen kann, dass das, was gesagt ist, nicht wörtlich, sondern indirekt aufzufassen ist. Ironisches Sprechen ist kein täuschendes Sprechen, keine Lüge.
Zunächst ist Ironie ein rhetorisches Register und gehört zur Äußerung. In einem weiteren Sinne versteht man unter Ironie einen Modus der textuellen Äußerung, in dem das Gemeinte uneigentlich, also in erkennbarer und interpretierbarer Differenz des Sprechers zur Aussage bezeichnet ist. So kann man wiederum vier Ironie-Typen festmachen: (1) die verbale Ironie der Akteure wie in den Dialog-Gefechten der Ehepaare in His Girl Friday (1940) oder auch in The War of the Roses (1989); eine ironische Spannung kann auch zwischen Bild und Ton aufklaffen, wenn etwa eine Revolutionsballade zu Bildern von Polizeikohorten gezeigt wird, die Demonstranten niederknüppeln; (2) eine dramatische Ironie, die sich in manchmal kuriosen Wendungen der Geschichte äußert; so gelangt der Held in The Thirty-Nine Steps (1935) nicht etwa zum Polizeichef, sondern dieser erweist sich als Chef der Spionage-Gruppe; (3) tragische Ironie wie in Midnight Cowboy (1968), als Ratzo Rizzo gerade in dem Moment stirbt, als er im ersehnten Florida ankommt; (4) eine eigene Form von Ironie, die durch die Verdoppelung der Erzählerinstanz im voice over entstehen kann; die Erzählung in Sunset Boulevard (1950) ist höchst augenzwinkernd vorgetragen, so dass der Zuschauer gegenüber dem Geschehen immer auf Distanz gehalten wird.

Literatur: Hutcheon, Linda: Irony's edge: the theory and politics of irony. London: Routledge 1994. – Sedgewick, Garnett Gladwin: Of irony, especially in drama. Toronto: University of Toronto Press 1935; 3rd ed. Vancouver: Ronsdale Press 2003. - Wulff, Hans-Jürgen: Darstellen und Mitteilen. Elemente der Pragmasemiotik des Films. Tübingen: Narr 1999, S. 257-289.

Referenzen:

dramatische Ironie

smart cinema

Subtext


Artikel zuletzt geändert am 22.04.2012


Verfasser: HJW


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