Lexikon der Filmbegriffe

Mehrfachbild

engl. split screen; multi image, multiple image

Man spricht dann von Mehrfachbild, wenn das projizierte Bild aus mehreren eigenständigen, voneinander abgegrenzten Bildern zusammengesetzt ist. Eines der häufigsten Themen ist von Beginn an das Telefonat – die beiden Bilder zeigen die Telefonierenden.
Split Screen-Effekte sind in der Geschichte der filmischen Bildformen nur relativ selten verwendet worden. Der dominante Bildmodus ist durch die Filmgeschichte hindurch das Ganzbild geblieben. Das ist auf mehrere Bedingungen zurückgeführt worden: (1) Mehrfach heißt es, Mehrfachbilder seien für Breitwand-Formate besser geeignet als für Normalformate. Schon in der Frühzeit finden sich aber eine Fülle von Beispielen, und die zweite große Welle von Split-Screen-Filmen von The Thomas Crown Affair (1968), The Boston Strangler (1968) bis zu The Andromeda Strain (1970) beginnt lange nach der Einführung der Breitwandformate. (2) Die split screen gebe allerdings Gelegenheit, einen besonderen Rezeptions-Effekt herzustellen. Zwar wird die Aufmerksamkeit des Zuschauers geteilt, doch rechnet das Mehrfachbild zu den Techniken der filmischen Emphase, etabliert einen eigenen ästhetisch-reflexiven Bildmodus. Gerade darum ist die Hoch-Zeit der split screen in den 1960er und frühen 1970er Jahren wohl auch eine Spielart „visuellen Exzesses“, der auf einen zeitgeistigen Umgang mit dem Filmbild als Design-Phänomen hindeutet, das Pop-Art, graphische Spielereien des Comic Strip und Werbeästhetik miteinander verbindet.

Literatur: Hans J. Wulff: Split Screen: Erste Überlegungen zur semantischen Analyse des filmischen Mehrfachbildes. In: Kodikas/Code 14,3-4, 1991, S. 281-290.

Referenzen:

Duo-Vision (2,35:1)

Multiprojektions-Verfahren

Split Screen


Artikel zuletzt geändert am 12.10.2012


Verfasser: HJW


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