Lexikon der Filmbegriffe

Reißschwenk

engl.: whip pan, zip pan; auch: flash pan, flick pan, swish pan

Eine „gerissene Aufnahme“ ist ein sehr schneller Schwenk von einem Bildobjekt zu einem anderen, so dass der Raum zwischen Anfangs- und Zielbild vollkommen verwischt ist. Der Reißschwenk ist sehr selten. Manchmal ist er physikalisch motiviert, er folgt einem Stoß oder gibt Erschrecken Ausdruck. Plötzliche Aufmerksamkeitsverlagerungen oder schlagartig eintretende Veränderungen der Situation können durch ein gerissenes Bild markiert werden. Gelegentlich wird er eingesetzt, um die Simultaneität der beiden gerissen verbundenen Teilbild-Geschehnisse auch visuell auszudrücken. Manchmal wird eine Pseudo-Simultaneität beschworen (in Truffauts Tirez sur le Pianiste, 1961, tritt der Pianist im Erdgeschoß ins Haus / Reißschwenk nach oben / er tritt im 4. Stock ans Fenster). Und manchmal signalisiert der Schwenk eine Simultaneität, die durch den Inhalt der Szene strikt konterkariert wird: die einzelnen Bilder der Frühstückssequenz in Citizen Kane (1941), die eine Gesamtdauer von zwölf Jahren übergreifen, sind durch (Pseudo-)Reißschwenks als Kaschierung eines Schnitts miteinander verbunden. 


Artikel zuletzt geändert am 24.07.2011


Verfasser: HJW


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